Nochmal links und rechts

Wie mit Spiralfedern aufgezogene Spielzeugroboter wachteln die europäischen Linken noch immer mit den Armen für den Zaren Putin und seine Selbstmörder-Armee. Man nennt sie mittlerweile "Putin-Versteher", "Nützliche Idioten" und "Sozialromantiker". Die Trennung zwischen "links" und "rechts" ist für mich nicht mehr wirklich begreifbar, ich unterscheide nur mehr zwischen "gegen Gewalt" und "für Gewalt". Da mir aber aufgefallen ist, dass Politikwissenschaftler die Begriffe noch immer bedenkenlos verwenden, habe ich das was derzeit "Künstliche Intelligenz" (KI) genannt wird gefragt, was diese Wissenden eigentlich darunter verstehen (in diesem Fall Google Gemini).

Die Antwort hat mich daran erinnert, dass ideologische Trennungen meist Jahrhunderte alt sind:

Die Begriffe stammen aus der Französischen Revolution von 1789. In der Nationalversammlung saßen die Befürworter des Königs (die Bewahrer) zur Rechten des Präsidenten, während die Vertreter des Volkes (die Erneuerer) auf der linken Seite Platz nahmen.

Bleibt noch zu klären, was die beiden Gruppen voneinander unterscheidet:

Links:
Steht für das Ideal von sozialer Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität.
Ein vollkommen freier Markt ist ungerecht, weil er Reiche reicher und Arme ärmer macht. Der Staat soll in die Wirtschaft eingreifen, um Ungleichheiten auszugleichen und Minderheiten zu schützen. Umverteilung von Vermögen, starke Arbeitnehmerrechte, hohe Steuern für Spitzenverdiener, Arbeitslosengeld, Bürgergeld, gleiche Bildung und Gesundheit für alle, Mietpreisbremse.
Fortschritt, Pazifismus, Internationalismus.
Rechts:
Steht für das Ideal von Freiheit, Tradition, Hierarchie und nationaler Identität.
Der Markt reguliert sich durch Angebot und Nachfrage selbst, der Staat soll sich aus der Wirtschaft heraushalten. Wohlstand entsteht dadurch, dass Unternehmer frei konkurrieren und investieren können. Ungleichheit gilt als Leistungsanreiz. Niedrige Steuern, um Investitionen anzukurbeln, Abbau von Bürokratie, Privatisierung von staatlichen Unternehmen, Eigenverantwortung.
Tradition, Autorität, Nationalismus.
Klischee: "Um den gesellschaftlichen Frieden zu sichern müssen starke Schultern mehr tragen als schwache."
Klischee: "Wer hart arbeitet, soll seinen Gewinn behalten können, Leistung muss sich lohnen."

Soll ich jetzt sagen, beide haben recht, sind also rechts, es gibt kein links mehr? Gar nicht so falsch, wenn man die Gewaltbereitschaft der extrem Linken und extrem Rechten betrachtet.

Die Begriffe "links" und "rechts" für wirtschaftliche und gesellschaftliche Verhältnisse sind Ergebnisse der Bemühung des Menschen, alles in Fachsprache auszudrücken und alles in die eigene Fachsprache einzubeziehen. Man möchte sich nicht gerne mit denen auseinandersetzen, die bei der französischen Revolution nicht dabei waren. Worte wie Linkshänder, Linksverkehr, Rechtswalzer, Rechtsprechung nimmt man dabei ohne Absicht mit. Solche Mehrdeutigkeit führt in einer politisierten Gesellschaft dazu, dass jeder etwas anderes unter diesen Begriffen versteht. Seit 1789 war ja genug Zeit für Wandlungen.

Interessant ist aber, dass die KI keinen Bezug zu Kommunismus und Kapitalismus herstellte. Danach gefragt gab sie an, dass Kommunismus der äußerst linke Rand von links ist, während Kapitalismus Mitte und rechts abdeckt. Eine chinesische KI hätte es wahrscheinlich genau umgekehrt formuliert, denn China nennt sich ja nach wie vor ein kommunistisches Land.

Man sollte statt "links" den Begriff "kollektivistisch" oder "gemeinnützig" verwenden, und statt "rechts" den Begriff "individualistisch" oder "eigennützig". Dann könnte man das hierzulande immer wiedergekäute "Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es allen gut" mit der absurden Übersetzung "Wenn wir eigennützig sind, sind wir auch gemeinnützig" versehen. Ein wahrhaft kollektivistischer Denkansatz, der allerdings nur in Zusammenhang mit Nationalismus stimmen kann.

Links und rechts hilft uns nicht weiter. Lassen wir diese Worte relative Richtungsangaben sein. Nicht nur der Zahnarzt vertauscht die beiden Seiten sofort miteinander, wenn er sie vom Patienten hört.

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