Links und rechts

Politisch links und rechts, das ist nicht mehr so einfach voneinander unterscheidbar. Das erstemal ist mir das vor etwa 15 Jahren in einer Dokumentation über die als links-extremistisch geltende deutsche RAF aufgefallen, weil einer ihrer Anwälte bei der NPD eine Führungspersönlichkeit geworden war, und das ist doch ganz klar eine rechts-radikale Partei. Vor kurzem hat eine etwas überdrehte deutsche Populistin Hitler einen Linken genannt. Ich denke das ist Verrücktheit im wahrsten Sinne des Wortes, aber in bestimmten Kreisen hat das Wort "verrückt" ja eine positive Bedeutung: es ist einfach irre!

In Wahlen in Deutschland 21% für die AfD (rechts), in Österreich 29% für die FPÖ (rechts). Linksparteien werden nicht mehr gewählt, weil die Bedrohung durch Russland die altbekannte "starke Hand" und den "starken Führer" aus Sicht der verängstigten Bevölkerung wieder erforderlich macht. "Die Linke" in Deutschland nimmt den Grünen (links) und der SPD (halblinks) den Wählerwind aus den Segeln, hat aber keinen Blick auf die aktuelle Wirklichkeit der sich ständig erneuernden Zeitenwenden, und wird nur gewählt, weil sonst nichts Fotogenes da ist.

Gibt es einen Unterschied zwischen links und rechts? Historisch gesehen halten die radikalen Flügel beider Seiten Gewalt für ein geeignetes Mittel um gesellschaftliche Probleme zu lösen. Ob die ursprüngliche Gewalt, auf die Linke und Rechte vielleicht ja nur reagieren, nun von links, rechts oder der Mitte ausgeht, darüber streiten sich wahrscheinlich alle, die sich selbst einem dieser Begriffe zuordnen. In Bezug auf Gewalt sehe ich keinen Unterschied zwischen links und rechts.

Wenn man oben und unten noch mit ins Spiel nimmt, ergeben sich weitere Möglichkeiten, jemandem die Erbschuld zuzuschieben. Meinem Gefühl nach wird "die Rechte" von oben gespeist (Oligarchen, Justiz), während "die Linke" von unten gespeist wird (Arbeiterhelden, Intellektuelle), aber die Absicht ist bei beiden dieselbe, sie wollen politische Macht erlangen, ihren Wählern Vorteile verschaffen, sie und sich nach "oben" bringen.

Vorn und hinten würde jetzt noch fehlen, um den Rundblick zu vervollständigen. Innen und aussen gehört auch dazu, vielleicht kommt die ursprüngliche Gewalt ja vom asiatischen oder amerikanischen Aussen. Oder war es doch die innere "Kristallnacht"? Lang mitgeschleppte Schuldgefühle aus dem 2. Weltkrieg verflüchtigen sich soeben angesichts der Tatsache, dass Europa nicht mehr von der USA nuklear geschützt wird, und militärisch auch nicht mehr. Denn wenn die USA die NATO verlässt (und das tut Trump sicher), fragt sich, was von ihr übrig bleibt, sind da doch Staaten wie Ungarn, Slowakei und Türkei dabei, die ihre Beistandspflicht im Ernstfall mit Sicherheit nicht erfüllen werden. Abgesehen davon, dass Staaten wie Österreich und Schweiz noch immer so tun als ob sie das alles nichts anginge, was da in der Ukraine seit 24.2.2022 passiert.

Also vergessen wir rechts und links und blicken nach vorn in die Zukunft. In Wirklichkeit geht es um Gewalt oder nicht Gewalt. Ist Gewalt ein legitimes Mittel, um Probleme zu lösen? Fragt man das einen Bauern, der gerade mit dem Traktor den Acker pflügt, wird er Ja sagen, und dass man ohne Gewalt nicht leben kann. Damit meint er die Gewalt, die der Mensch der Natur antut, indem er Wälder abholzt und den Boden nach Schätzen durchwühlt. Fragt man das einen ukrainischen Soldaten, der gerade einen anrollenden russischen Panzer mit einer Drohne angreift, wird er auch Ja sagen, falls er noch dazu kommt. Damit meint er das tausende Jahre alte Hin und Her der menschlichen Eroberungslust. Wir zivilisierte Menschen glauben Gewalt ist nur das, was uns persönlich bedroht, aber Gewalt ist in Wirklichkeit überall. Wir können nicht einmal mit dem Begriff umgehen, und mit der Gewalt selbst schon gar nicht.

Was wird passieren, wenn alle Staaten der Erde Atomwaffen besitzen? Dieses Situation ist unwausweichlich, solange sich Atom-Mächte (derzeit 9) als "gleicher" betrachten als unbewaffnete Staaten und daher über diese bestimmen wollen. Selbstverständlich werden sich die kleinen Staaten vor dieser Arroganz schützen wollen, die ja eigentlich nichts anderes als moderne Versklavung ist. Alle wollen die Stärke des Rechts, nicht das Recht des Stärkeren, denn es gibt immer einen Stärkeren.

Rechts und links löst sich in einer Spiralbewegung auf. Die Spirale der Gewalt wurde von Putin in Bewegung gesetzt, und Trump hat sie noch einmal ordentlich angetrieben, beide sind Autokraten mit nuklearer Bewaffnung. Alle Staaten des Planeten bewaffnen sich derzeit, was den USA als grösstem Waffenlieferanten natürlich sehr recht ist, ihre Wirtschaft läuft bestens. Jeder will Patriot Luftabwehr, jeder will Marschflugkörper, jeder will Phosphorbomben, und weil das alles noch nicht abschreckend genug ist für Autokraten, die ihre Soldaten ohne Gewissensbisse als Fleischwellen in den Tod schicken, braucht man auch den Nuklearschirm, die Mode verlangt es. Russland wird liefern, was die USA vielleicht nicht liefern will. Man muss ihnen nur ein wenig Zeit geben sich vom Ukrainekrieg zu erholen. Dafür sorgt Trump gerade. Man könnte auch sagen: Trumputin bläst die Trumpeten von Jericho.




Comments

  1. Die Jugend will es allen recht machen und will vom Recht beschützt werden, sie wählt daher "rechts". Die Linke ist "link" (Jargon für verlogen, betrügerisch), die Jugend nimmt diese Wort-Assoziationen durchaus ernst, sie glaubt, dass hinter den Worten Wahrheit steckt.

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