Ein Jahr Pensionist
Es ist nun wirklich Zeit, Bilanz zu ziehen über mein erstes Jahr als Pensionist. Was schon vieles sagt: ich lasse mir mit allem viel mehr Zeit als früher, denn eigentlich kommt diese Bilanz zwei Tage zu spät, und ich werde sie wie immer auch noch auf Rechtschreib- und Ausdruck-Fehler überprüfen, und das könnte wieder einen Tag Aufschub bewirken.
Am 31. Mai 2024 habe ich meinen letzten Job verlassen und bin mit dem Gedanken "Ferien für immer" nach Hause gefahren. Das "immer" ist natürlich relativ zu sehen. Ferien bis an mein Lebensende, und das auch nur wenn das Pensionssystem stabil bleibt und die autoritätsgläubigen Gewaltanbeter sich nicht irgendwann demokratisch gewählt durchsetzen. Man sieht ja anhand von Ungarn, Slowakei, Rumänien und seit diesem Wochenende auch Polen, wie schnell das gehen kann. Aber ich mache mir keine Sorgen wegen Dingen, die ich nicht beeinflussen kann. Wählen tut die Masse, und die wird mittlerweile von "sozialen" Medien geleitet. Über die asozialen Gesichtspunkte dieser Medien will ich schon lange ein Blog schreiben, aber nicht jetzt. Es ist der 2. Juni 2025 und Zeit, Bilanz über mein erstes Pensionsjahr zu ziehen.
Meine damals formulierten Vorhaben sind bislang noch nicht einmal begonnen:
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Meine gereimten Kindergeschichten in Bilderbücher zu fassen ist ein großes Projekt und derzeit noch in weiter Ferne. Nichtsdestoweniger möchte ich das unbedingt vor meinem Ableben noch machen. Ich schwanke derzeit zwischen Grafiktablett und Zeichenblock mit Aqualrellfarben, Acrylfarben oder Buntstiften. Das ziemlich teure Grafiktablett würde neben dem Wiederhineinfinden ins Zeichnen und Malen sicherlich auch noch eine rein technische Lernzeit beanspruchen.
Die Tatsache, dass im deutschsprachigen Raum täglich etwa 40 Bilderbücher veröffentlicht werden, hat mich nicht entmutigt, weil ich darin nicht Broterwerb sondern künstlerische Herausforderung sehe. (Wie schön ist das Pensionistendasein!) Aber der Herstellungsprozess muss überlegt sein, denn das Ergebnis sollte herzeigbar sein. Wie setzt man Texte in Bilder um ohne ins endlose Experimentieren zu kommen?
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Meine Musik beansprucht (neben Wandern) noch immer die meiste Zeit. Allerdings bin ich in ständigem Üben verloren, ich finde immer neue Möglichkeiten und habe mein neues Mischpult und dessen Elektronik noch gar nicht in Betrieb genommen, auch nicht mein digitales Aufnahmegerät, das seit Jahrzehnten unbenutzt im Kasten herumsteht. Etwa 100 Mundharmonika/Gitarre Nummern liegen gedruckt in einem Buch in meiner Wohnung, aber dieses Buch habe ich 2012 hergestellt und die Nummern müssten korrigiert werden und um etwa 20 in den letzten Jahren entstandene noch nicht niedergeschriebene Nummern erweitert werden. Die letzte Fassung liegt auf meinem Laptop, auf meiner externen Festplatte und auf Dropbox.
Ich habe mir ab 1997 eine Java / awk / MusixTeX Anwendung geschrieben, die das Erfassen von Musiknoten in Textform ermöglicht. Ich sollte einen Konvertierer schreiben, der diese selbstentworfene Notensprache nach abc übersetzt, oder auch nach musicXML. Möglich wäre auch, das mit meinem momentanen Musikprojekt über Differenztöne zu verbinden, auch dort habe ich eine kleine Notensprache entwickelt. Computerei ist ein endloses Formatier- und Konvertier-Problem.
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Ich habe zwar bereits 3.8 mm Eisendraht und eine Zange bei mir liegen, mit der ich das formen kann, aber der Entwurf für meinen Mundharmonikahalter ist noch immer nicht fertig. Ich tüftle noch immer am oberen Teil, wo die Harmonika einsetzbar sein muss, diese Befestigung ist durch reines Drahtbiegen kaum erreichbar, und wo kriege ich passende Spiralfedern her? Diese würden den Herstellungsvorgang auch merklich schwieriger machen. Ein weiteres kritisches Teil ist die Stabilität der Drehgelenke am Bereich, der auf der Brust aufliegt. Und natürlich die Höhenverstellung, ohne die es wahrscheinlich nicht gehen wird, obwohl man diese Einstellung nur beim erstenmal und dann nie wieder vornimmt.
Ich habe 4 Monate lang jeden Tag morgens über diese Konstruktion nachgedacht und einen Block voll Skizzen gekritzelt, aber konkret geworden ist bislang nichts. Ein guter und dennoch einfacher Mundharmonikahalter ist ein nicht leicht herzustellendes und im Gebrauch anspruchsvolles Gerät, das ist mir mittlerweile klar geworden. Warum die existenten käuflichen Halter nicht ausreichen hab ich glaub ich im letzten Blog darüber festgehalten.
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Wohnung renovieren - wäre schön, aber noch bröckelt der Verputz nicht von den Wänden (nur die Wandfarbe:-), Wasser fliesst noch und Licht, Strom, Ofen und Herd funktionieren auch noch einigermaßen. Ich nehme mir aber mehr Zeit für Sauberkeit, staubsauge alle 3 Wochen, wechsle die Bettwäsche und Badetücher häufiger, halte das Bad und die Küche sauberer als zuvor, und mein Kühlschrank ist immer gut gefüllt.
Und was mach ich statt all den Dingen, die ich eigentlich machen sollte? Wandern (mit Videoproduktion), Musik, Kochen, Joggen. Ein wenig Musik-Software auch noch. Ansonst bin ich oft auf youtube und sehe mir vornehmlich chinesische Wander-Vlogs an. Schlafen ist auch wichtiger geworden, ich habe mir einen 2-stündigen Mittagsschlaf zwischen zwei und vier Uhr (Sommerzeit) angewöhnt. 1 Stunde Morgengymnastik täglich rundet das Leben ab.
Also jetzt endlich die Bilanz: ich bin zufrieden mit meinem sehr freien Leben, aber sorge mich um die mir selbst gestellten Aufgaben meines Lebens, wenn ich sehe, wie ich die Zeit einfach ziehen lasse. Niemand lebt ewig.
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