Nichts zu tun haben heißt zuviel zu tun haben

Wenn man keine "geregelte" Arbeit mehr hat, aber trotzdem Einkommen, also Pensionist ist, dann gibt es ja keine Probleme mehr, sollte man glauben. Dem ist nicht so. Ich habe so viele Dinge zu tun, dass ich nicht mal mehr zum Staubsaugen komme:-)

  1. Ich versuche meine Arthrose durch 45 Minuten Morgengymnastik täglich in Schach zu halten.
  2. Ich gehe einmal die Woche wandern, wenn das Wetter es erlaubt.
  3. Jede meiner Wanderungen wird auf Video festgehalten, geschnitten und dann auf youtube veröffentlicht, dafür habe ich mir selbst ffmpeg-Scripts geschrieben, die aber immer wieder angepasst werden müssen.
  4. Einmal die Woche, meist Sonntag, mache ich einen "workout" mit Laufen und Kraftübungen im Freien.
  5. Ich schreibe noch immer mein altes Entwickler-Blog.
  6. Ich schreibe nun auch dieses Pensionisten-Blog.
  7. Drei- bis viermal die Woche spiele ich jeweils etwa eine Stunde lang Gitarre mit Mundharmonika.
  8. Ich arbeite an künstlerischen Dingen wie Bilderbüchern und Musik - daraus ergeben sich viele Angelegenheiten, siehe unten und mein voriges Blog.
  9. Ich gehe häufiger als früher einkaufen, weil ich gesünder essen will.
  10. Ich wasche und wechsle Bett- und Leib-Wäsche häufiger als früher und muffle daher weniger.
  11. Ich versuche die Wohnung in Bereichen zu renovieren, wo ich das schaffe ohne auszuziehen, denn hier ist so ziemlich alles kaputt und mehrmals geflickt (Waschmaschine und Kühlschrank sind schon über 30 Jahre alt, die Wandfarbe blättert ab, ...).

Für die Musik habe ich mir (schon im Jahr 1999) Software geschrieben, die aber auch immer wieder angepasst werden muss. Diese Software ermöglicht es mir, schnell und einfach Melodien mit Begleit-Akkorden als ASCII-Text festzuhalten und im portablen PDF-Format publizieren zu können.
Soeben bin ich 6 Stunden bei einer Fehlersuche gesessen, weil ich mein LINUX-Betriebssystem gestern auf Ubuntu 24.04 upgraded habe und diese Software danach nicht mehr funktioniert hat (sie verwendet zum Betriebssystem gehörende Werkzeuge wie awk). Die Video-Scripts habe ich noch nicht getestet, aber die sind noch nicht so alt und daher nicht so gefährdet vom ständigen starken Strom des technischen Fortschrittes.

Ansonst arbeite ich an der Behebung der technischen Probleme bei meinem Gitarre/Mundharmonika-Synchronspiel. Die neue Gitarre ist elektronisch anschließbar, aber die beiden Kabelanschlüsse am Klangkörper wurden so gesetzt, dass sie in klassischer Sitzhaltung (Gitarre liegt auf linkem Knie auf) direkt an den rechten Oberschenkel anstoßen würden, anders ausgedrückt, entweder man verzichtet auf den elektronischen Anschluss oder man verzichtet auf die klassische Sitzhaltung. Die Auflage am rechten Knie (nicht-klassisch) kommt für mich nicht mehr in Frage, zu lange habe ich diesen Fehler gemacht. Daher versuche ich nun im Stehen zu spielen, aber dabei ergeben sich wieder andere Probleme. Im Stehen braucht man einen Gitarre-Tragegurt, und der stößt links an den Mundharmonika-Halter an, sodass er mir die Harmonika beim Spielen vom Mund wegreisst, wenn ich den linken Griffarm stark bewege.

Es gibt am Markt derzeit nur Harmonika-Halter, die durch den Tragegurt links verschoben würden, mit Ausnahme des SideNote, der aber zu wenige Einstellmöglichkeiten hat.
(Übrigens habe ich den Hersteller des SideNote (USA) durch einen youtube-Kommentar auf das Problem mit dem Gurt aufmerksam gemacht, und er hat nun die Bauweise seines Produktes so geändert, dass die Öffnung links ist und nicht mehr rechts wie zuvor:-)

Wegen der Unzulänglichkeit all dieser Produkte habe ich beschlossen, mir selbst einen vielfältig einstellbaren Mundharmonika-Halter zu entwerfen und zu bauen. Dazu benötige ich Metallstäbe, die in der Länge verstellbar sind, und die über arretierbare Gelenke miteinander verbunden werden, und biegbar sollten sie auch sein. Diese Bestandteile zu beschaffen und zu verarbeiten ist allein ein Projekt für sich, das wahrscheinlich viele Teilprojekte nach sich zieht. Den Halter sollte ich mir dann eigentlich auch noch patentieren lassen, denn niemand am Markt scheint die Probleme der Gitarre/Mundharmonika-Synchronspieler wirklich zu kennen, und so eine Lösung würde alles Bisherige auf lange Sicht vom Markt verdrängen. Alle bisherigen Lösungen sind nicht das was der Musiker braucht, sondern eher ein Verhandlungsergebnis zwischen Musiker und massenproduzierender Industrie.

Das mit den Metallstäben wird nicht so einfach sein, ich werde mir einen Prototyp aus Holz bauen und den so lange ausprobieren und verändern, bis alles passt. Danach werde ich mich an einen Schmied oder so wenden müssen. Vielleicht lässt sich das ja auch mit einem 3D-Drucker anfertigen. Dazu bräuchte man wohl eine Konstruktionszeichnung mit Grund- Auf- und Seitenriss. Die könnte man ja auch gleich an einen Hersteller wie Hohner schicken und den machen lassen. Viel, viel, viel zu tun. Wären irgendwann all diese Probleme gelöst, könnte ich endlich mein neu gekauftes Mischpult in Betrieb nehmen und professionelle Aufnahmen meiner über 100 Instrumentalnummern machen.

So ist das, wenn man nichts mehr zu tun hat:

  • Die Errungenschaften der Vergangenheit werden vom Strom der Zeit weggespült und müssen wieder eingefangen bzw. renoviert werden.
  • Die Errungenschaften der Gegenwart erweisen sich als unzulänglich und müssen durch eigene Leistungen benutzbar gemacht werden.
  • Die Errungenschaften der Zukunft müssen erdacht und verwirklicht werden.

Das alles kriegt zu spüren wer glaubt nichts mehr zu tun zu haben:-)




Comments

Popular posts from this blog

Wandern Notfallmeldung

Meine Software-Entwicklung

Politik