Bilderbücher machen
Wenn man dem Internet glauben kann, dann wurden im Jahr 2022 in Deutschland 23 neue Kinderbücher pro Tag(!) veröffentlicht. 2003 waren es nur 13. Kann das überhaupt konsumiert werden? Oder handelt es sich bei dieser Zahl um eine falsch interpretierte Statistik, oder vielleicht sogar um eine von künstlicher Intelligenz erfundene?
Wenn das aber stimmt, dann muss man einem Verlag wahrscheinlich auch noch etwas zahlen, damit er ein Produkt aufnimmt und anbietet. Ein übersättigter Markt. Außerdem lesen die Menschen nicht mehr, sie sitzen vor dem Bildschirm und sehen sich nationale oder internationale Unterhaltungssendungen in Serien an. Leider gilt das auch für Kinder. Die Anzahl der Bücherleser hat seit der Einführung von Fernsehen in den Sechziger Jahren und dem Internet in den Neunzigern dramatisch abgenommen.
Überdies gibt es heutzutage viel mehr Autoren von Büchern als vor 40 Jahren, von denen auch jeder noch viel mehr schreibt (Jonathan Franzen z.B. "schreibt" mittels Spracherkennung-Software). Bilder für Bilderbücher werden mittlerweile nicht mehr mit Stift und Pinsel in tagelanger Arbeit von spezialisierten Künstlern entworfen und angefertigt, sondern mittels künstlicher Intelligenz innerhalb von Minuten am Computer generiert.
Die deutschen Autoren von Bilderbüchern produzieren und verkaufen ihre Bücher mittlerweile oft "im Eigenverlag", d.h. sie kümmern sich um sämtliche Details vom Malen und Texten über das Layout und Drucken bis hin zur Abrechnung und Verpackung für den Versand. Anders ausgedrückt, es gibt kein Interesse mehr an dem was Wilhelm Busch einst erfunden hat. Die sozialen Medien sind viel interessanter als naive Märchen von gestern. Gewinnorientierte Einrichtungen wie Verlage sind nicht interessiert an nicht verkäuflichen Produkten. Falls sie nicht selbst schon mit Existenzproblemen zu kämpfen haben konzentrieren sie sich darauf, unter 100 Vertragsautoren einen zu haben, dessen Werke wirklich gekauft werden. Und das erreicht man auch nur mehr durch "Influencing" mittels sozialer Medien.
Für meine persönlichen Pläne Bilderbücher zu produzieren ändert das einiges. Ich werde die Bebilderung meiner bereits seit 20 Jahren fertigen Reim-Texte als Zeitvertreib langsam über viele Jahre betreiben (dafür muss ich mir einen Wochentag festlegen!). Veröffentlichen werde ich sie nur digital am Internet, denn alles andere ist überflüssiges traditionelles Denken, das nur zu hohen Kosten und viel Zeitaufwand führen wird. Geld verdienen wollte ich damit ohnehin nie, und bei einem übersättigtem Markt kann man ruhig auch einmal etwas gratis anbieten.
Mit dieser Minimalstrategie werde ich auch die Realisierung durchführen. Ich schaffe mir keine teuren Zeichengeräte an (WACOM-Tablet o.ä.), ich kaufe einen Zeichenblock, Bleistifte und Buntstifte und versuche mit wenigen Mitteln schöne Bilder zu machen, wie sie Kinder vielleicht auch zustandebringen könnten. Denn das hat mich an Bilderbüchern schon immer gestört: die Darstellungen waren künstlerisch so perfekt und erwachsen, dass man nicht einmal im Traum daran dachte, selbst so etwas zu probieren. Lassen sich Bilder machen, die Kinder dazu bringen Ähnliches zu versuchen, ohne deshalb "Kritzi-Kratzi" zu sein? Das herauszufinden wird wohl meine erste Anforderung sein.

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