Eichenprozessionsspinner Rückblick
Anfang August hatte ich Kontakt mit einem verlassenen Nest von Eichenprozessionsspinnern. Mehr als einen Monat danach bekomme ich immer noch gelegentlich juckende rote Flecken von jener Wäsche, die damals zusammen mit der vergifteten Wäsche gewaschen wurde. Die Härchen der Raupenpuppe hängen mit ihren Widerhaken im Gewebe, und sie verlieren ihr Gift auch nicht durch 70 Grad Waschgänge.
Heute habe ich gesehen, dass der Hinweis auf den Eichenprozessionsspinner am Westeingang der Steinhofgründe verändert wurde. Jetzt wird darauf hingewiesen, dass man die Raupe nicht mit umweltschädlichen Giften bekämpfen wolle, und dass der Besucher sich deshalb nicht unter Eichen aufhalten solle. Kein Foto der Raupe und kein Foto eines Nestes befindet sich auf dem kleinen niedrig hängenden Hinweisschild.
Ich denke, dass von zehn Personen vielleicht zwei zwischen Eichen und anderen Baumarten unterscheiden können. Der Hinweis würde also, falls überhaupt gesehen, nur 20% der Besucher wirksam vor dem Eichenprozessionsspinner warnen. Die Wege auf den Steinhofgründen sind von unzähligen Laubbäumen gesäumt, man könnte diese Wege daher nur dann benutzen, wenn man sicher ist, dass keiner der Bäume links oder rechts eine Eiche ist. Der Hinweis auf den zu vermeidenden Aufenthalt unter Eichen ist also wirklichkeitsfremd.
Man kann den Eichenprozessionsspinner auch ohne Gift bekämpfen. Die Raupen-Prozessionen kann man mit geeignetem Gerät einsammeln. Die Nester, die die eigentliche Gefahr darstellen, kann man unter Einhaltung von Schutzmaßnahmen absaugen und dann verbrennen. In Deutschland wurden auch schon andere Techniken entwickelt, um sie zu beseitigen. Das Wiener Gartenamt soll seiner Verantwortlichkeit nachkommen, wir alle bezahlen das mit unseren Steuergeldern.
Ich hätte nichts dagegegen, wenn der Eichenprozessionsspinner in Wien und Umgebung ausstirbt, denn die vielen Menschen hier brauchen Erholungs- und Bewegungsräume. Es gibt nur zwei Vogelarten unter tausenden, die sich für diese Raupe interessieren, alle anderen Wesen leiden darunter. Dreimal von Eichenprozessionsspinnern befallene Eichen sterben ab. Am Steinhof grasen gelegentlich auch Wander-Schafe, und die könnten durchaus daran sterben, wenn sie mit dem Gras auch Fetzen eines vom Wind abgetragenen Eichenprozessionsspinner-Nestes ins Maul bekommen. Heute habe ich sehr viele Kinder am Steinhof gesehen, ich bin sicher, dass nicht eines davon weiß, was der Eichenprozessionsspinner ist, und dass allein der Wind schon einen Gifthärchen-Befall auslösen kann (u.a. Atembeschwerden bis zur Ohnmacht).
Vielleicht ist der Begriff Umweltschutz in eine verdrehte Bedeutung gerutscht. Gehört nicht der Mensch auch zur Umwelt? Der WWF, der sich umweltschützerisch gibt, siedelt im dicht von Menschen besiedelten Europa die hier (nicht ohne Grund) ausgerotteten Wölfe und Bären wieder an. Das nenne ich auch wirklichkeitsfremd. Sicherlich ist es wichtig, die Natur vor dem räuberischen Mensch zu schützen, der vollkommen ohne Notwendigkeit sich auf Kosten der Natur immer mehr Komfort schaffen will (zum Beispiel die unglaubliche Menge an Forststraßen). Aber deshalb den Mensch nicht mehr vor der Wildheit der Natur zu schützen und ihm seinen Lebensraum zu nehmen ist absurd.
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