Eichenprozessionsspinner
Es juckt ganz übel. Wenn ich mich kratze, erweitern sich die roten Flecken auf meiner Haut auch dorthin, wo ich kratze. Begonnen hat es gestern nachmittag in der linken Armbeuge, da war eine juckende rote Fläche, und nachdem ich mich dort gekratzt hatte, sind rote Flecken erschienen, und es hat so richtig stark zu jucken begonnen. Danach habe ich die rechte Armbeuge geprüft und mich probeweise dort gekratzt, dann hat es auch rechts begonnen. Mittlerweile habe ich juckende rote Flecken am Hals, an den Seiten, am Bauch und in den Kniekehlen. Der Juckreiz lässt sich durch kaltes Wasser ein wenig lindern, aber das muss man regelmäßig wiederholen.
Weil ich so etwas noch nie hatte, aber kein Fieber oder sonstige Symptome einer Krankheit habe, bin ich heute den ganzen Vormittag am Computer gesessen und habe mir durch Internet-Recherche versucht den Arztbesuch zu ersparen. Folgendes waren die Erklärungsmöglichkeiten, die ich für diesen Hautausschlag gefunden habe:
- Neurodermitis
- Nesselsucht
Alle anderen wie Röteln, Masern, Windpocken (=Schafblattern), Scharlach fallen weg, weil sie mit Fieber verbunden sind, und das habe ich nicht. Hitzepickel und Sonnenallergie fallen auch weg, denn ich war nicht in der Sonne, und es war auch nicht heiß.
Ich war gestern bei bedecktem Himmel und ein wenig Regen am Wiener Steinhof gemütlich joggen.
Dabei bin ich an einem Baum vorbeigekommen, an dem ich ein seltsames Gebilde gesehen habe.
Weil mir Bäume am Herzen liegen und dieser Baum letztes Jahr von Hornissen befallen war,
habe ich versucht, das vermeintliche Hornissengewebe in etwa 3 Meter Höhe
mit einem langen Ast vom Baum zu entfernen.
Das Zeug ist zerfallen und heruntergestäubt, auch auf meinen ungeschützten linken Arm.
Irgendeine Internetseite hat die Gefährlichkeit des Eichenprozessionsspinners erwähnt,
und dann hab ich es verstanden (was dem Arzt wahrscheinlich nicht gelungen wäre).
Das hatte mit Hornissen nichts zu tun,
das war ein verlassenes Nest von Eichenprozessionsspinnern.
In diesen Nestern befinden sich die zurückgelassenen Raupenhäute
von hunderten Nachtfaltern, die Ende Juni ausgeflogen sind.
Auf diesen Häuten befinden sich 0,1 mm dicke giftige Härchen mit Widerhaken, praktisch unsichtbar.
Beim Kratzen in der linken Armbeuge habe ich mir die Härchen unter die Fingernägel
und auf die Fingerkuppen geholt und anschließend durch einfache Berührung am Körper verteilt.
Die in kurzer Zeit danach erschienenen roten Flecken nennen sich
Raupendermatitis,
das Gift heisst
Thaumetopoein.
Wie lange mir der Ausschlag jetzt erhalten bleiben wird habe ich nicht herausgefunden.
Berührungen mit dem Eichenprozessionsspinner können übrigens
auch zu Asthmaanfällen, Ohnmacht und sogar Herzstillstand führen.
Mit Sicherheit wird man rote Flecken kriegen, die auch Narben zurücklassen.
Das sind richtig gefährliche Insekten!
Am Steinhof hängen Schilder, die auf den Eichenprozessionsspinner hinweisen,
und dass man ihn nicht berühren soll.
Ich habe das immer eher als Schutzmaßnahme für die Raupe verstanden, nicht als Warnung für Menschen.
Über die Gefährlichkeit der verlassenen Nester steht dort nichts,
auch nicht, dass man deren Sichtung der Stadtverwaltung melden sollte.
Das Gift ist nach 12 Jahren noch immer in den Härchen nachweisbar, also löst Wasser das Gift nicht heraus,
und der Wind verweht die Härchen nach Belieben in alle Richtungen,
die Nester sind also eine echte Gesundheitsgefährdung.
Will man die Raupe hier in Wien etwa nicht bekämpfen sondern schützen?
In Deutschland wird sie schon seit Jahren
aktiv bekämpft,
weil sie sich schnell ausbreitet,
großen Schaden anrichtet und nur schwer und teuer bekämpft werden kann.
Mit Hebekran und Schutzanzügen werden die Nester einzeln abgesaugt, sofern man sie überhaupt findet.
Die Eichen, die an den Raupen sterben, können in keinster Weise verwertet werden,
weil in der Rinde die giftigen Härchen noch immer vorhanden sind.
Es gibt auch eine Variante dieser Raupe, die auf Föhren (Kiefern) nistet.
Aus Wikipedia:
Die wichtigste Maßnahme ist die Vorbeugung und die möglichst umgehende Beseitigung des Raupenbefalles in Wohngebieten.
Die Wissenschaftsmedien sprechen verharmlosend noch immer von
- "KANN allergische Reaktionen auslösen"
statt von
- "WIRD schmerzhaften Hautausschlag auslösen".
Forstarbeiter, die mit dem Gift des Eichenprozessionsspinners in Kontakt kommen,
sind danach tagelang im Krankenstand.
Irgendwie erinnert mich die ganze Angelegenheit an den
Riesenbärenklau.
Wenn man den berührt, hat man Brandwunden.
Auch der wird in Deutschland schon lange und professionell bekämpft, in Österreich hört man kaum etwas davon.
Und es erinnert mich daran, dass man immer noch im enorm dicht besiedelten Europa Bären und Wölfe ansiedeln will.
Im italienischen Trentino gab es dadurch schon Tote und Schwerverletzte, und der Schaden durch Schafriss
in den Alpen treibt Bauern dazu, keine Schafe mehr zu halten.
Ist diese Welt nicht eine wenig weltfremd?
Tag 2:
Tag 3:
Tag 4 (der Juckreiz ist nicht weniger geworden):
Tag 5 (die Flecken sind kleiner geworden, aber keiner ist noch verschwunden):
Tag 6 (die Flecken sind am verheilen; heute nur vier neue entdeckt):






An dem Tag, an dem ich recherchiert habe, welche Krankheit ich haben könnte, war mir nicht bewußt, dass ich überall die giftigen Eichenrozessionsspinner-Härchen auf meiner Kleidung und meinem Körper habe. Dadurch habe ich dieses Gift überall in der Wohnung verteilt. Mittlerweile habe ich am ganzen Körper schon rote juckende Flecken, und es entstehen täglich neue. Wechsel von Kleidung, Badetüchern und Bettwäsche hat bislang nicht geholfen, jetzt habe ich die Wohnung auch mit dem Staubsauger gereinigt.
ReplyDeleteAm Tag 3 nach der "Infektion" sind die roten Flecken immer noch da und jucken, wenngleich sie etwas kleiner geworden sind. Das Jucken ist ein wenig in Brennen übergegangen. Ich bekämpfe das nun mit morgens und abends baden. Aber da es noch immer mehr Flecken werden, rechne ich mit Wochen, bis meine Haut es geschafft hat die vergifteten Widerhaken auszuscheiden.
Heute, nach 5 Tagen, habe ich wieder gezählte 23 neue juckende rote Flecken an meinem Körper entdeckt. So geht es fast jeden Tag. Wenn die Gifthärchen des Eichenprozessionsspinner-Nestes durch Unwissenheit einmal in der Wohnung verteilt wurden, dann sind sie nicht mehr zu kontrollieren. Weder Staub saugen noch Wäsche waschen scheint zu helfen, die Härchen sind überall. Angenommen in einem Nest waren hundert Raupenhäute, und jede hat hundert Gifthaare, dann stauben zehntausend vergiftete Widerhaken vom Baum herab und haken sich an allem fest, das weich genug ist. Und sie können danach scheinbar auch auf andere Oberflächen wechseln.
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