Konsum
Mein gutes altes Android-smartphone habe ich neulich beim Wandern "verschwitzt", d.h. ich habe nicht bemerkt, dass beim Tragen am Unterarm Schweiß in das wallet-cover eindringt. Das hat das Gerät danach innerhalb von 3 Tagen unbrauchbar gemacht. Man nennt das "pixel bleeding". Ein Fleck, der in der rechten oberen Bildschirmecke violett erschienen ist, sich ausgebreitet hat und blaue und schwarze Flächen nach sich gezogen hat. Wenn man am Bildschirm nichts mehr lesen kann, sieht man auch die Knöpfe nicht mehr, auf die man tippen muss - unbrauchbar!
Private Daten (z.B. die online-banking app!) löschen kann man dann nicht mehr, es sei denn, man hat sich vorher die Entwickler-Optionen aktiviert durch 7-maliges Tippen auf die Build-Nummer der Android-Version in der Telefon-Info der Einstellungen (welch bizarre Idee!) und darin dann USB-Debugging aktiviert. Dann kann man über ein USB-Kabel das smartphone über einen Computer mit dem tool scrcpy fernsteuern und apps deinstallieren. (Dazu braucht man natürlich auch einen Computer!) Ansonst kann man auch versuchen, dasselbe durch Löschen im Android-Dateisystem zu erreichen, aber das ist eine eher unsichere Angelegenheit. Auch sollte man wissen, dass das smartphone gehackt werden kann, wenn man es verliert und der Finder über das aktivierte USB-Debugging mittels der Android-Debug-Bridge adb die Bildschirmsperre aufheben kann.
Ich habe sogleich ein neues Gerät gekauft, als ich bemerkte, dass dieser Fleck sich ausweitet und nicht zu stoppen ist. Dabei bin ich in das von Microsoft und CrowdStrike verursachte WINDOWS-Chaos geraten, sodass ich über eine Stunde im Geschäft nur auf die Aushändigung des neuen smartphones und das Bezahlen gewartet habe, weil die (zu wenigen) Angestellten die Arbeit der abgestürzten Computer händisch organisieren mussten. Das neue smartphone kann man 30 Minuten maximal 1 Meter in klarem Wasser untertauchen. Ich probiere es gar nicht erst aus und habe ein Armband dafür gekauft, das den Schweiß besser abhalten sollte. Zusätzlich ist es auch wieder in ein wallet-cover gehüllt.
Reparatur-Angebot für das bereits 4 Jahre alte Samsung A50 war 130 Euro. Ich hatte meine privaten Daten rechtzeitig entfernt und habe den Sondermüll im Geschäft gelassen, wofür ich eine Verzichtserklärung unterschreiben musste. Die Video-Kamera des neuen Samsung A55 ist übrigens eindeutig besser geworden, die Unschärfe beim horizontalen Schwenk nach oben oder unten ist weg.
Ich habe ja nun als Pensionär die Möglichkeit, mitten am Vormittag in einem Geschäft zu erscheinen, wenn kaum noch Kunden da sind, und die Verkäufer durch Beratungsgespräche um den Vormittagsschlaf zu bringen. Dadurch konsumiere ich viel mehr als früher, wobei natürlich auch viel mehr Geld für unnütze Dinge wie bluetooth-Ohrhörer draufgeht. Vor allem die Elektronik-Artikel sind teuer und problematisch. In der Beschreibung meines neuen smartphones stand, man solle nur mit einem passenden Adapter aufladen, und dieser Adapter war nicht im Kauf enthalten. Ich musste nun herausfinden, ob ich einen 25 Watt Adapter zuhause habe. Die Watt-Anzahl steht oft nicht auf den Steckern drauf, statt dessen Volt- und Ampere-Angaben, also umrechnen. Was würden wir ohne Internet machen, wo angegeben ist, wie man Spannung und Stromstärke in Watt umrechnet?
Watt = Volt * Ampere
Ich hatte einen 5 Watt und einen 15 Watt Adapter, also auf ins Geschäft. Kostete 25 Euro!
Zu viel Zeit für Konsum. Und so viel Internet-Zeit vergeht mit Aussuchen von Produkten und Lesen von Test-Berichten und -Vergleichen. Es geht nicht nur ums ausgegebene Geld, das irgendwann zu Ende ist, es liegen dann auch Sachen herum, die nicht verwendet werden. Da fehlt etwas in meinem Leben, das den Konsumwahn verhindert: die Aufgabe, die Arbeit, das "Hamsterrad". In meinem nächsten Blog muss ich mich unbedingt mit meinen vorher gefassten Plänen für die Pension beschäftigen, wie weit ich damit schon gekommen bin und wie ich mir die Realisierung vorstelle. Sonst wird da nichts draus, und das wäre ja schade.


Comments
Post a Comment