Der 22. Mai 1856 in den USA

Wer glaubt, in den USA sind die Demokraten (Obama, Biden) die Guten und die Republikaner (Reagan, Bush, Trump) die Bösen, der sollte sich über den Brooks-Sumner Vorfall informieren. Denn dieses Gut-Böse-Bild mag derzeit vielleicht stimmen, aber im Jahr 1856, vor nur 170 Jahren, war das vollkommen anders. Die Geschichte in Kürze:

Der republikanische Senator Charles Sumner, der in einer Rede in scharfen Worten die Sklaverei in den Südstaaten verurteilt hatte, wurde 2 Tage später, am 22. Mai 1856, vom demokratischen Kongressabgeordneten, Sklavenhalter und "Feuerfresser" Preston Brooks im Capitol durch fortgesetzte Stockschläge beinahe umgebracht und litt an den Spätfolgen dieses Überfalls sein restliches Leben. Keiner der anwesenden Senatoren schritt sogleich ein, und als Sumner schon bewusstlos war, wurden sie von zwei "demokratischen" Kollegen Brooks mit gezogener Pistole daran gehindert.

Das Schicksal, nicht die Amerikaner, sorgte danach für Gerechtigkeit: Brooks starb bereits im Januar 1857, während Sumner, der 8 Jahre älter als der Attentäter war, seinen Fast-Mörder bis 1874 überlebte.

Obwohl das nur ein Vorspiel des amerikanischen Bürgerkrieges war und an Hinterhältigkeit durch den Mord an Abraham Lincoln 1865 noch übertroffen wurde, zeigt dieser Vorfall doch deutlich, wie gewalttätig die amerikanische Gesellschaft war und auch heute noch ist. Man lese das Buch "Onkel Toms Hütte" (1852) in seiner Original-Version. Angesichts der Wahl des Autokraten Donald Trump zum Präsidenten, der unzähligen gewaltverherrlichenden Hollywood-Filme, dem in der Verfassung festgeschriebenen Recht auf Waffenbesitz (hat gegen ICE nicht geholfen, kann jetzt gestrichen werden!) muss man annehmen, dass Gewalttätigkeit in den USA Tradition geworden ist. Denn Konservativismus, also der Wunsch, den Traditionen über Generationen hinweg treu zu bleiben, ist noch stärker als die Gewaltauslöser Rassismus, Nationalismus und religöser Fanatismus.

Das Erstaunlichste an der Sache ist aber, dass Sumner Republikaner war (wie die kriegerischen Präsidenten Reagan, Bush Junior und Trump), und Brooks Demokrat. Was nichts anderes bedeutet als dass politische Parteien in den USA Interessensvertretungen sind, nicht Gesinnungsgemeinschaften. Sie haben also gemeinsame wirtschaftliche Interessen wie die Sklaverei, und sie fühlen sich nicht den europäisch-demokratischen Prinzipien wie Gewaltverzicht verpflichtet. Dass Trump die Capitol-Stürmer von 2021 am Tage seines Antsantrittes alle (bis auf ein Monster) freigelassen hat, beweist, dass das auch heute noch so ist. Anders ausgedrückt, die grösste Bedrohung einer globalen Friedensordnung, wie sie die UNO vertritt, sind derzeit (neben Russland) die USA. Denn Gewaltanbetung wirkt sich natürlich auch auf die Außenpolitik aus.

Wer sich über Sklaverei informieren will, dem empfehle ich neben Beecher-Stowe's Buch "Onkel Toms Hütte", das Mitauslöser des amerikanischen Befreiungskrieges 1861 bis 1865 war, auch Toni Morrison's Buch "Menschenkind". Wer angesichts von Mundeisen und Auspeitsch-Firmen noch davon überzeugt ist, Sklaverei sei eine gute Sache, dem sollte man einmal ein Mundeisen einen Tag lang zum Ausprobieren anlegen.

Sklaverei ist keine amerikanische oder europäische Erfindung, sie existiert schon seit die Menschen Kriege gegeneinander führen und Kriegsgefangene als Sklaven ausbeuten. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Bedarf an billiger Sklavenarbeit auch Kriegsauslöser ist, siehe die wiederholten Versuche Russlands die Ukraine auszulöschen, siehe die Unterdrückung der Kurden in der Türkei und im Iran, siehe die Unterdrückung der Uiguren und Tibeter in China, siehe die Behandlung der Palästinenser durch die Israelis (diese Aufzählung ließe sich noch lange fortsetzen).

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