Der Russenhitler
Anfang der 1990-er Jahren erlebte Österreich einen seltsamen Besuch, der sich selbst als Staatsbesuch bezeichnete. Die österreichischen Medien sind darauf hereingefallen und haben darüber berichtet, darum weiß ich davon. Er besuchte "einen persönlichen Freund" in Frantschach bei Wolfsberg in Kärnten. Frantschach ist mir aus den 1970-er Jahren bekannt als das übelriechendste Dorf des Landes, eine Papierfabrik entließ dort ihre Abgase ungefiltert in die Luft (so etwas gibt es heute nirgendwo mehr). Das Dorf hatte damals etwa 4000 Einwohner, die Tag und Nacht mit diesem Gestank leben mussten. Der Freund des "Staatsbesuches" war der Besitzer der Papierfabrik. Der Besucher war Russe und hieß Schirinowski, heute auch bekannt als "Russenhitler". Er lebte 1946 bis 2022, war seit Beginn der 1990-er Jahre Politiker, und zwar Begründer der "Liberal-Demokratische Partei Russlands", die als rechtsextrem, populistisch und nationalistisch beschrieben wird (also keine Spur von liberal oder demokratisch).
Schirinowski war nicht dumm, er sprach türkisch und hatte sich im Fernstudium zum Anwalt ausgebildet.
Hier einige seiner Aussagen, die ich durchaus für repräsentativ für die "russische Seele" halte,
wobei ich mich dabei auf die Seele ab
Stalin beziehe, also ab 1927.
Schirinowski wollte
- Atombomben über dem Atlantik abwerfen, um Großbritannien zu überfluten
- dass die russische Armee nach Süden durchbricht und "ihre Stiefel im indischen Ozean wäscht"
- dass man in Russland alle Verbrecher vernichten sollte, so wie Hitler das getan habe
- die Wiederherstellung der alten russischen Reichsgrenzen von 1917 mit Finnland, Kongresspolen, Belarus und der östlichen Ukraine
- eine Annexion Alaskas
- radioaktive Abfälle in die baltischen Staaten blasen
- eine Aufteilung der Ukraine zwischen Russland, Polen, Rumänien und Ungarn
- der Türkei mit Atomangriff drohen, falls sie die Bosporus-Meerenge für russische Schiffe sperrt
In einer Rede am 27.12.2021 sagte er, dass das russische Militär am 22.2.2022 um 4 Uhr morgens in die Ostukraine einmarschieren werde. Am 24.2.2022 war es dann tatsächlich so weit. Das nennt man Durchblick, und es weist auf die systematisch geplante Bösartigkeit der russischen Diktatur hin, denn Schirinowski war nicht nur Anführer seiner Partei LDPR, sondern auch Mitglied des Parlaments und somit Mitwisser der russischen Oligarchie. Dass die USA dies nicht erkennen wollen und der Ukraine militärisch nicht besser beistehen liegt daran, dass Donald Trump und seine Schergen selbst bösartig sind. Mit Bösartigkeit meine ich Gewalttätigkeit, also das Recht des Stärkeren vor die Stärke des Rechts zu stellen.
Trotzdem Schirinowski einen jüdischen Vater hatte war er Antisemit.
Er war auch Frauenhasser. Auf einer Pressekonferenz im April 2014, also
nach der völkerrechtswidrigen russischen Besetzung der Krim mithilfe paramilitärischer Truppen,
hetzte er seine Leibwächter auf eine schwangere Journalistin mit dem Auftrag, sie zu vergewaltigen,
nur weil sie es gewagte hatte, nach russischen Sanktionen gegen die Ukraine zu fragen.
Was er sonst noch so sagte und tat:
- 1995 spritzte er vor laufender Kamera dem 2015 ermordeten Boris Nemzow Orangensaft ins Gesicht, nachdem dieser ein westliches Männermagazin gezeigt hatte, in welchem Schirinowski geprahlt hatte, mit 200 Frauen geschlafen zu haben
- Er stritt vehement ab jüdischer Abstammung zu sein
- Juden hätten die Weltherrschaft erobert und beherrschten alle Konzerne und Banken in Europa
- Er leugnete die Existenz Osama bin Ladens und Al-Qaidas
- Der Terroranschlag vom 11. September 2001 in New York sei von der US-amerikanischen Regierung mithilfe des Mossad inszeniert worden
- Der US-Kongress sei von den Israelis besetztes Territorium
- Der Terroranschlag vom 22. März 2016 in Brüssel mit 32 Toten sei gut für Russland: "Lasst sie verrecken und sterben."
- "Ihr Leute aus dem Westen steckt eure Nase zu sehr bei uns rein. Aber das wird euch gründlich vergehen. Habt ihr Hiroshima und Nagasaki vergessen? Dann werden wir euch ein neues Hiroshima bescheren. Ich werde nicht zögern, Atomwaffen einzusetzen, wenn sich uns jemand widersetzt. Wir haben Tschernobyl schon gehabt, jetzt müsst ihr Deutsche euer Tschernobyl erleben."
Schirinowski wollte einen autoritären Staat, am besten geführt von ihm selbst, und er kandidierte mehrfach für das Präsidentenamt. Im Gedächtnis bleibt sein Satz "Russland ist und bleibt eine Monarchie". Von den Medien wurde Schirinowski immer als nicht ernst zu nehmender Hofnarr Putins beschrieben. Ich glaube das nicht und denke dabei an seine Voraussage des Ukrainekrieges. 1993 erhielt seine Partei 23 % der Stimmen bei den russischen Parlamentswahlen. 2008 erhielt er 9,3 % der Stimmen bei Präsidentschaftswahlen. Seit 2006 erhielt er, neben anderen Auszeichnungen, alle 5 Jahre einen weiteren Orden für Vaterlandsverdienste. Auch in Bulgarien und Abchasien erhielt er Orden. Ich hoffe Europa hält seinen Osten nicht für eine Ansammlung von Hofnarren.
Untergegangen ist der Herr Hofnarr an einer Corona-Erkrankung, obwohl er angeblich 8 mal dagegen geimpft war. Vielleicht gerade deshalb, denn Russland hatte ja weltweit als erster eine COVID-Impfung parat. Bei seinem Begräbnis war sein persönlicher Freund Putin anwesend, der hatte sich nicht so oft impfen lassen.
Bedenkliches Detail am Rande:
Weil ich mich nicht mehr an den Namen dieses Monsters erinnern konnte,
gab ich in der Internet-Suchmaschine "Russischer Ultranationalist" ein,
und die Google KI antwortete mit -
"Alexej Nawalny"!
Gerade jetzt hab ich das nochmals ausprobiert,
aber nun verbindet das selbstlernende(?) System das Putin-Opfer Navalny nicht mehr damit.
Schirinowski allerdings auch nicht.
Soviel zur Vertrauenswürdigkeit von "Künstlicher Intelligenz".
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