Mitreden am Internet

Eigentlich wollte ich ja heute über soziale Medien schreiben, aber das ist ein großes Thema, und bei den Recherchen habe ich andere Dinge entdeckt, die auch nicht richtig funktionieren. Damit meine ich das Mitspracherecht am Internet.

Mitspracherecht? Welches Recht hat der Einzelmensch in einer Gemeinschaft von 8,2 Milliarden Menschen auf diesem Planeten? Ja, dieses Recht ist mathematisch verschwindend klein, aber ist es nicht dasselbe wie das Recht auf Leben? Man sollte annehmen, dass die Inanspruchnahme dieses Rechtes bei Vorhandensein der Voraussetzungen nicht so schwierig sein kann, geht es doch um nur elektronisch existente rein geistige Inhalte. Das Recht auf Meinungsfreiheit, das Recht auf freie Rede, die Gedankenfreiheit. Das wird in der westlichen Welt ja akzeptiert, schließt aber offenbar nicht das Recht auf Vorhandensein oder Auffindbarkeit ein.

Ich habe am 23.5.2025 meine am 4.10.2022 fertiggestellte Liste aller Berge Österreichs aufs Internet hochgeladen. Was meine ich damit? Ich habe das in einem Blog beschrieben, der freie Upload der Bergliste (eine einzige HTML Datei) fand auf tiiny.host statt und ist am Internet für jedermann einsehbar.
Warum habe ich das öffentlich einsehbar hochgeladen? Weil ich die Bergliste auch vom Smartphone aus gerne gesehen hätte, außerdem ist diese Liste extrem benutzerfreundlich, man kann nach allen Tabellenspalten filtern und sortieren und sie auch ausblenden (Höhe, Bundesland, Bergname, ...). Das wäre sicherlich für viele Wanderer hilfreich. Was ich allerdings nicht bedacht hatte war, dass ich mir die HTTP-Adresse dieser Seite nicht auswendig merken werde, die ich da erzeugt habe.

Das hat dazu geführt, dass ich auf Google im Such-Textfeld eingegeben habe

Alle orographisch selbständigen 3242 Berge Österreichs ab Schartenhöhe 100 Meter

Das ist der Titeltext, den ich dem auf meinem Computer gespeicherten Berglisten-Original entnommen habe. Der Suchbegriff ist ja lang und sollte schnell und eindeutig zum Ziel führen, dachte ich mir. Aber Google kennt meine seit Mai 2025 am Internet öffentlich einsehbare Liste nicht. Probiert es selber aus! Es behauptet sogar, dass es so etwas gar nicht gibt. Folgenden Hinweis lieferte mir die "Künstliche Intelligenz" von Google (Gemini):

"Es gibt keine bekannte, offizielle Liste von genau 3242 Bergen Österreichs ab einer Schartenhöhe von 100 Metern. Die Zahl hängt stark von der Definition der Schartenhöhe ab, und es existieren unterschiedliche Zählungen ..."

So intelligent ist also die KI, sie widerspricht sich ja selbst wenn sie sagt

"Es gibt keine Liste ab Schartenhöhe 100 Meter, denn die würde von der Schartenhöhe abhängen"

Irgendwann wird niemand mehr diese KI-Monster verstehen, an denen die Supermächte derzeit arbeiten, und die sie mit Atomkraft speisen wollen. Abgesehen von diesem sehr dummen Text hat Google nur vier Ergebnis-Seiten angeboten, und meine tiiny.host page war nicht darunter, auch nicht auf der ganz letzten Suchseite. 70 % der Suchergebnisse nahm hingegen der Alpenverein ein, dessen Liste sich mit meiner an Komfort nicht messen kann.

Das ist nicht meine erste Erfahrung mit Ignoranz und Beitragsverweigerung am Internet. Mein jetzt fertig gewordenes Differenzton-Projekt habe ich auf YouTube eine wenig ins Gespräch bringen wollen, weil immer wieder Videos veröffentlicht werden, die sich damit beschäftigen. Auf zwei solchen Kanälen habe ich daher einen Kommentar geschrieben, in dem sich ein Hyperlink auf mein Projekt auf dem allgemein und frei zugänglichen open-source Entwickler-Portal github befand. Am nächsten Tag sah ich nach, ob es irgendeine Reaktion auf meine Kommentare gab, aber beide waren gelöscht. Dazu muss gesagt werden, dass der eine Kanal ein sehr populärer war, diese Kanäle haben oft Regeln zum automatischen Löschen von Kommentaren, die Hyperlinks enthalten. Also schrieb ich dort nochmals einen Kommentar, der keinen Hyperlink mehr enthielt, aber ein umfangreiches Lob des Kanalbesitzers und einen Hinweis, wie man mein Projekt finden kann. Auch dieser Kommentar wurde gelöscht. Eine automatische Löschregel dafür kann ich mir allerdings nicht mehr vorstellen.

Der einstmals überlegene Google Suchalgorithmus ist der Massenmanipulation gewichen. Schon seit einigen Jahren habe ich den Eindruck, dass Google / YouTube immer manipulativer wird, d.h. sie bevorzugen USA-Inhalte und -Autoren, sie bevorzugen populistische und gewalttätige Inhalte, und unter dem zweifelhaften Präsidenten Trump sind sie wahrscheinlich auf höchste Stufe gegangen, um chinesische Einflüsse und "wokeness" jeglicher Art zu unterdrücken. Was an meiner Bergliste allerdings "woke" ist würde mich interessieren. Es gäbe noch die Möglichkeit, dass der österreichische Alpenverein Google dafür bezahlt, dass kein brauchbares Ergebnis außer seinem in den Suchergebnissen vorkommt, wenn es um österreichische Berge geht. Korruption, darüber wollte ich auch schon lange ein Blog schreiben, weil sich die so ausbreitet:

"Corruption is why we win!"

Ein Satz aus dem sehenswerten Film "Syriana" des Jahres 2006. Ich glaube an diesem börsianischen Glaubensbekenntnis hat sich in den letzten 20 Jahren nicht viel geändert. Aber Korruption ist wiederum eine große Geschichte, wenngleich eng verwandt mit sozialen Medien.

Ah ja, da blieb etwas offen: wie habe ich meine eigene Bergliste am Internet eigentlich wiedergefunden? Über meinen Blog-Artikel. Was beweist, wie wichtig es ist, ein Blog zu schreiben. Dank an Google, dass es das noch nicht gelöscht hat.

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