Krieg

Nachdem ich nun seit fast schon 4 Jahren den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine beinahe täglich verfolge, habe ich mich dem Thema Krieg etwas allgemeiner zugewandt, um besser verstehen zu können, was da am 24. Feber 2022 begann und wegen der amateurhaften Politik des amerikanischen Präsidenten Trump nicht so bald enden wird. Ich wurde 14 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges in Europa geboren und habe als Kind noch viele Folgeerscheinungen des Krieges wie Armut, Ausgrenzung, Alkoholismus und Gewalttätigkeit sehen können, aber ihre Ursache nie verstanden.

Um ein besseres Verständnis für Kriege zu bekommen habe ich Animations-Videos über den 2. Weltkrieg auf YouTube angesehen (yarnhub). Die meisten davon handeln von sogenannten Helden, also jenen Fliegern, Matrosen oder Panzerpiloten, die Glück hatten und überlebten, denn die, die nicht überlebten, konnten ja nichts mehr erzählen. Die meisten dieser Videos werden von Computerspiele-Herstellern gemacht, die diese Erzählungen als Spielplan benutzen und deren Details wirklichkeitsgetreu von Fotos her nachbilden. Dadurch erhält man einen einigermaßen realistischen Eindruck von Krieg, wenn man das meist nationalistisch übertriebene Heldentum ausblendet.

Ein Krieg ist ein ungleich größeres Disaster als jeder Vulkanausbruch, Überflutung, Sturm, Erdbeben, oder jegliche andere Naturkatastrophe. Die Masse an Vernichtung ist einfach unvorstellbar, und niemand kann sich ihr entziehen. In der Ukraine sterben derzeit täglich etwa 1000 russische Soldaten, die wie Esel einer Geld-Karotte nachlaufen, welche nach ihrem Tod am Schlachtfeld ihren Familien ohnehin nicht ausgezahlt wird, weil Russland von Korruption beherrscht ist. Auf ukrainischer Seite dürfte die Opferzahl nur etwa ein Drittel davon sein, weil sie den operativen Vorteil der Verteidigung haben, aber 300 pro Tag ist immer noch unvorstellbar viel. Unvorstellbar für uns Menschen, die wir im Frieden aufgewachsen sind und immer gehofft haben, dass es so bleibt, auch wenn wir den Kriegsersatz namens Existenzkampf nicht wirklich geliebt haben.

Die Massivität von Krieg ist genauso unvorstellbar wie der Reichtum mancher Menschen auf diesem Planeten, möglicherweise hängt das ja miteinander zusammen. Man stelle sich ein Geschwader von 300 schweren amerikanischen B-17 Bombern vor, die im Jahr 1943 einen Angriff fliegen, und die von 100 deutschen BF-109 Jagdflugzeugen von oben angegriffen werden. 400 durcheinander fliegende Flugzeuge auf 6000 m Höhe in einem dreidimensionalen Chaos aus Maschinengewehrsalven, explodierenden FLAK-Geschossen von unten, ausströmendem Treibstoff und abstürzenden brennenden Maschinen. Anfangs brauchten die Flugabwehrkanonen durchschnittlich 20.000 (zwanzigtausend!) Schuss Bleimunition um ein einziges Flugzeug zu vernichten, das FLAK Kaliber reichte von 2 bis 12,8 cm (Blei ist hochgiftig). Wenn man weiß, wieviel die Entwicklung und der Bau eines Flugzeuges mit Ausbildung der Piloten kostet und das mit der Anzahl der vernichteten Flugzeuge multipliziert, kommt man in diesen Bereich der unvorstellbaren Werte.
Das dickste Geschoß des japanischen Schlachtschiffes Yamato war 46 cm im Durchmesser, wog eineinhalb Tonnen, wurde bis zu 44 km weit geschossen, und diese Munition war keine Kanonenkugel, sondern eine Bombe, die erst im Ziel explodierte. Ein einziger solcher Schuß konnte ein feindliches Kriegsschiff in zwei Teile zerbrechen und innerhalb von Minuten zum Sinken bringen. Die Raffinesse des Tötens in mechanisierten Kriegen ist genauso unvorstellbar wie die Masse an Metall, die im Pazifik und anderen Weltmeeren samt ihrer oft bis zu 2000 Mann starken Besatzung versenkt wurde. Das begleitende vollkommen sinnlose Töten von unbeteiligten Zivilisten macht die Unvorstellbarkeit des Krieges gänzlich unvorstellbar.

Die Nazis waren militärisch sehr erfolgreich. Das deshalb, weil die Technik ihrer Maschinen besser war als die aller Länder, die sie nacheinander angegegriffen haben. Ein deutscher Tiger Panzer konnte angeblich 10 amerikanische Shermans vernichten, die Geschosse der Shermans prallten an der Panzerung der Tiger einfach ab. Die deutschen Flieger waren wegen ihrer schnellen und wendigen Jagdflugzeuge überlegen, wenngleich die Briten mit der Zeit aufholten. Die so hervorragend mechanisierten Deutschen verendeten aber am langen Logistikweg nach Moskau und an der Masse der am D-Day in Frankreich einströmenden Amerikaner. Eigentlich verendete ihr "Endsieg" am versiegenden Nachschub von Treibstoff, Metall und Lebensmitteln. Die Strategie der Aliierten damals gegen Deutschland war genau dieselbe wie die Russlands heute gegen die Ukraine: die Moral der Bevölkerung durch Flächenbombardments brechen. Moderner Abnutzungskrieg richtet sich ganz offensichtlich gegen die Zivilbevölkerung.

Ich habe in meiner Jugend Teile von Hitlers Buch "Mein Kampf" gelesen, war aber so angewidert von den naiven Ideen und primitiven Schlußfolgerungen darin, dass ich es wieder weggelegt habe. Wie dieses Buch ein ganzes Volk radikalisieren konnte kann ich bis heute nicht verstehen, ebensowenig wie die unfassbare Vernichtung, die die Russen in der Ukraine derzeit anrichten. Wer soll denn in diesen angeblich "befreiten" Gebieten leben? Die Böden sind von Bomben aller Art vergiftet, verstrahlt und vermint, die Wälder vollkommen zerschossen und mit dem Plastikmüll von Drohnen übersät, in den Städten steht kein einziges Haus mehr, Brücken und Straßen sind gesprengt. Gleichzeitig droht für immer der Zorn der ukrainischen Bevölkerung, die ihre Heimat natürlich zurück haben will. Ein Russe, der sich dort ansiedelt, muss vollkommen verrückt sein. Nicht einmal die Soldaten, die die Ostukraine erobert haben, werden auf dieser verbrannten Erde leben wollen. Der Krieg in der Ukraine ist ein direkter Nachfolgekrieg des 2. Weltkrieges, nur dass der Geist Hitlers inzwischen nach Moskau übersiedelt ist und statt Juden Nazis bekämpft werden, die gar nicht mehr existieren.

Man kann das Thema Krieg nicht beiseite legen ohne die USA zu beleuchten. Die wurden nach zwei von Deutschland angezettelten Weltkriegen endgültig zur Militärmacht. Nicht zur Militärdiktatur wie Russland und China, vorläufig nur zur Militärmacht. Heute sind sie, so wie damals die Deutschen, die Besitzer der überlegenen Waffensysteme auf dem Planeten. Diese Waffensystemen werden nun über Radar, Satelliten und Computer gesteuert, sodass selbst schnell fliegende Düsenflugzeuge nicht mehr über feindlichem Gebiet fliegen können. Die Gewehrkugeln werden aus abgereichertem Uran hergestellt, einem Abfallprodukt von Atomkraftwerken, das alles auf Jahrhunderte verstrahlt, wo immer es landet. Solche Munition wurde von der NATO übrigens auch im Jugoslawienkrieg 1999 eingesetzt. Andere Gewehrkugeln dringen in den Körper des "Feindes" nicht nur ein, sondern explodieren dort auch. Die ersten Marschflugkörper namens V1 bauten die Nazis um London zu terrorisieren, aber die heutigen fliegen tausende Kilometer weit, und die Amerikaner haben Militärstützpunkte auf der ganzen Welt. Welche Waffen Russland hat weiß man nicht genau, aber sie versuchen ständig besser zu sein als die USA, egal ob es sich um atomare oder thermobare Bomben handelt.

Während der Krieg der USA gegen den Irak die Welt von einem weiteren Hitler namens Saddam Hussein befreit hat, war der Vietnamkrieg eine fehlgeschlagene Wiederaufnahme des Kolonialismus, der gegen den Willen der amerikanischen Bevölkerung ausgetragen wurde. Die USA habe viele von der UNO ausgearbeitete internationale Regeln nicht anerkannt und sind nicht Mitglied des Internationalen Gerichtshofes. Präsident Trump ist aus dem Klima-Abkommen ausgetreten, hat angekündigt, dass er aus der NATO austreten werde, will Grönland und Kanada annektieren, hat die UNO als unfähige Organisation bezeichnet und versucht verzweifelt Putins Freund zu werden. Sein Stellvertreter hat die Europäer als Parasiten bezeichnet, sein Verteidigungsminister hat gefordert, dass kein übergewichtiger Offizier mehr in der amerikanischen Armee sein solle. Und weil die Amerikaner diese Rasselbande demokratisch gewählt haben, nimmt diese auf ihrer weltpolitischen Schlingerfahrt die ganze Militärmacht USA mit und zwingt dadurch den Rest der Welt sie ernst zu nehmen.

Der Vielvölkerkontinent Europa ist allein geblieben auf der Welt mit seinem Willen zum Frieden. Die mit Russland verbündete Autokratie China ist kein Partner, auch wenn sie derzeit noch friedlich ist. Noch dazu ist Europa uneinig und unschlüssig, sie können oder wollen es nicht noch immer nicht glauben, ebenso wie zu Beginn des 2. Weltkrieges. Die Rüstungsindustrie müsste schnellstens anlaufen und moderne Verteidigungsfähigkeit inklusive Satellitenbeobachtung herstellen. Undemokratische Staaten wie die Slowakei und Ungarn müssten sowohl aus der EU als auch aus der NATO ausgeschlossen werden. Die autoritär regierte Türkei verfolgt nur eigene Ziele und ist kein verlässlicher Partner, auch sie müsste aus der NATO ausgeschlossen werden. Österreich und Schweiz müssten ihre sinnlos gewordene Neutralität aufgeben und der NATO beitreten. Die USA dürften nicht mehr die bestimmende Macht in der NATO sein. Das alles sind leider ebenso wirklichkeitsferne Ziele wie der zukünftige Weltfriede.

Dass es sich bei Krieg nicht um einen heldenhaften Kampf Mann gegen Mann handelt zeigt die Feuerkraft eines Maschinengewehrs, die bis zu 20 Schuss pro Sekunde beträgt und somit ruhig Massenvernichtung genannt werden darf. Der den 2. Weltkrieg beendende Abwurf zweier amerikanischer Atombomben auf das hochtechnisierte kriegerische Japan hat das Kriegsgeschehen auf dem Planeten keineswegs für alle Zeiten beendet, sondern nur das Ausmaß der zukünftigen Massenvernichtung gesteigert. Zu allen Zeiten glaubte man, dass die neu erfundenen Waffen so abschreckend seien, dass nun alle Kriege beendet seien, weil niemand das Risiko ihrer Anwendung auf sich nehmen werde, aber ganz im Gegenteil ging die Aufrüstung und das damit verbundene Kriegsgeschehen immer weiter. Krieg ist fehlgeschlagene menschliche Zivilisation.

Comments

Popular posts from this blog

Wandern Notfallmeldung

Meine Software-Entwicklung

Politik