Allgemeine Gemeinheit
Was mich immer wieder beschäftigt, weil es in meiner Generation so allgegenwärtig war, ist die allgemeine Überbewertung des Begriffes "Arbeit". Klar, die Jugend sieht darin ihre Chance, in die Welt der Erwachsenen aufgenommen zu werden und "jemand zu werden". Aber dieses Bewusstsein endet auch in dem fatalen Spruch "Nur wer arbeitet soll essen". Diese Einstellung war nicht nur in kommunistischen und sozialdemokratischen Kreisen zu finden, sondern eigentlich in allen politisierten Gemeinschaften, einschliesslich der freiheitlichen und konservativen. Die "Fleissigen und Tüchtigen" sind mittlerweile allgegenwärtig geworden und fordern überall ihre Privilegien ein.
Die grossen Lügen unserer Jahrhunderte sind der Kommunismus und der Kapitalismus. Der Kommunismus geht von der Annahme aus, dass "die Arbeiterklasse" alles besser machen würde als die Oligarchen und Monarchen, wobei der Begriff "Arbeiter" beschrieben wird als die Masse, die in der gesellschaftlichen Ordnung ganz unten steht und daher die Lebensbedingungen besser kennt. Der Kapitalismus geht davon aus, dass die zum Überleben notwendige gesellschaftliche Ordnung nur entstehen kann, wenn die Klugen und Reichen die Masse der Dummen und Armen führen bei der Ausbeutung des Planeten, deren industrielle Produkte die "freien" Märkte befüllen sollen. Beide Konzepte wollen zwar die Menschheit in Frieden halten und ziehen Handel dem Krieg vor, erzeugen aber in Wirklichkeit doch immer wieder Krieg, Sklaverei und Unterdrückung. Darum nenne ich sie Lügen. Eigentlich sind es Ideologien, oder auch moderne Religionen.
Seit Urzeiten können Menschen nur überleben, wenn sie wie ein Ameisenhaufen zusammenbleiben. Ansonst werden sie gefressen von der Natur, von Völkern mit anderem Bewusstsein, von ungewöhnlichen Umständen. Die Struktur dieses Zusammenlebens beschreiben die Begriffe Familie, Clan (Stamm), Volk, Staat (Nation), als Querstreifen kommen noch Rasse, Religion und Kultur dazu. Da Staaten noch immer ständig Kriege gegeneinander führen, weil sie verschiedene Ansichten darüber haben, was Recht sei, gibt es nichts, was Staaten zusammenfasst zu einer weltweiten Allgemeinheit. Es gibt zwar die Vereinten Nationen, aber dieser Organisationsversuch aus dem Ende des 2. Weltkrieges verliert zunehmend an internationalem Einfluss. Trotzdem der Planet schon Waldbrände und Sturmfluten sendet, graben die existenten Staaten die Erde noch immer um, streiten dann um die Funde und können sich nicht einmal auf eine Reduktion der Plastikproduktion einigen, die nicht nur das Land, sondern auch die Ozeane schon übel verunreinigt hat.
Was ist Kultur? Ist die Mondlandung Kultur? Ist die Schaffung der grössten Atombombe der Welt eine Kulturleistung? Sind es die Dschungeltempel in Südostasien? Ist Kultur der Versuch, zusammen etwas zu schaffen statt ständig gegeneinander Krieg zu führen? Falls Kultur aber (so wie ich das sehe) ein Eingehen der Menschheit auf die Bedürfnisse der Natur ist, dann gibt es auf diesem Planeten keine Kultur, bestenfalls kleine lokale Vorkommen.
Keinesfalls macht die Arbeiterklasse irgendetwas besser als die Oligarchen. Die sich kommunistisch nennenden Staaten sind ebenso von imperialer Machtgier beherrscht wie die kapitalistischen, und sie sind viel gewalttätiger. "Ich liebe doch alle Menschen" sagte der Chef der ostdeutschen Staatssicherheit Erich Mielke 1989, als die Berliner Mauer fiel und sich Russland unter Michael Gorbatschow bereit erklärte, auf ihren "politischen Einfluss" in Ostdeutschland zu verzichten. Der 1907 geborene Mielke war eines von 6 Kindern, die in einer Berliner Handwerkerfamilie in einer 30 m2 Wohnung aufwuchsen. Natürlich war er immer Kommunist, kämpfte für die KPD im spanischen Bürgerkrieg, wurde immer von Russland unterstützt, und herrschte dann mit unglaublicher Grausamkeit 32 Jahre lang im Abhörstaat DDR. Wer sich angesichts eines Monsters wie Mielke noch immer Kommunist nennt, sollte wirklich nach Moskau übersiedeln, finde ich. Natürlich war jener ein Erzeugnis des Raubtierkapitalismus, der anfangs des 20. Jahrhunderts in Europa herrschte. Aber Europa hat sich durch die beiden letzten Weltkriege verändert. Es befindet sich zwischen amerikanischem Kapitalismus und russischem Kommunismus auf der Suche nach einer neuen Zukunft.
China hat die Zukunft schon eingeleitet.
Millionen von Kameras überwachen das ganze Land und haben die Kriminalität fast völlig beseitigt.
Es hat den Tourismus neu erfunden und baut Aussichtsplattformen und Gehwege an hunderte Meter hohen Felswänden,
wo die Europäer maximal Kletterhaken für Abenteurer eingeschlagen hätten.
Ein Land, das alle westlichen kulturellen und technischen Fantasien nicht nur eingeholt, sondern sogar überholt hat.
Aber ...
"Die Partei und das Volk sind hier zusammen gekommen ..." leitete
Xi Jinping seine Rede zum
hundertjährigen Bestehen der kommunistischen Partei Chinas ein.
Womit er die Partei klar vom Volk abtrennte.
Ein einzelnes Menschenleben ist in autokratische Staaten wie Russland, China, Iran, Indien ... nicht viel wert,
solche Staaten rechnen nur in Massen.
Massen von Russen sind im
Krimkrieg gestorben,
Massen von Chinesen im
Koreakrieg,
und wieder sterben seit 24.2.2022 Massen von Russen im
Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine.
Das hat keine Zukunft. Das ist nicht Allgemeinheit, das ist Gemeinheit. Davor flüchten so viele Menschen in "den Westen", den es ja eigentlich nur als Vorstellung gibt. Und der Westen wandelt sich unter diesem Ansturm um, überall setzen sich Autokraten bei den demokratischen Wahlen durch, die sogleich ihre Macht absichern und es unmöglich machen, jemals wieder abgewählt zu werden, wie etwa Viktor Orban in Ungarn oder Donald Trump in den USA. Wusstet ihr, dass in Zeiten des Kalten Krieges die DDR nur die zweithöchste Selbstmordrate Europas hatte, und dass das Land mit der höchsten Selbstmordrate Ungarn war? Ich hoffe, dass mein jetziger Gedankensprung zum atomaren Massen-Selbstmord nur ein dummer amerikanischer Horrorfilm ist ....
Merksatz: Die vom Kommunismus geforderte Diktatur des Proletariats ist nicht nur ebenso eine Diktatur wie die Monarchie, sie ist die schlimmste Diktatur von allen.
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