Sport

Sport ist nicht das, was wir, die Masse, machen. Sport ist ein Medien-Begriff geworden, der dafür steht, dass als 'talentiert' bezeichnete junge Menschen ihre Gesundheit und manchmal sogar ihr Leben opfern, um in den Medien bezahlte Werbung zu machen und sich in der Privatwirtschaft als 'prominent' verkaufen zu können. Sie streben nach Ruhm und Ehre. Das was wir machen, falls wir nicht bewegungslos mit Bier und Zigaretten vor dem Fernseher am Sofa sitzen und vollkommen willenlos Fussballspiele und Boxkämpfe ansehen, sondern selbst Bewegung machen und Laufen oder Schwimmen gehen, das ist - ja was? Man hat uns das Wort gestohlen.

Von den Medien wird es herablassend Freizeitaktivität genannt. Das was sie in den Nachrichten gleich nach den neuesten Horror-Meldungen aus dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine als sogenannte Sportmeldungen bringen, bewegt mich immer dazu, das Gerät augenblicklich auszuschalten. Wie kann man nur in einem Atemzug von Vakuumbomben und gewonnenen Qualifikationsspielen berichten? Sollte Sport wirklich Mord sein, wie einige superkluge Redensartensammler uns einreden wollen?

Ich mache schon mein ganzes Leben lang Sport, darum bleibe ich bei diesem Wort, auch wenn es heute seinen Sinn verändert hat. Sport ist für mich Bewegung jeder Art, und Bewegung ist Leben, und leben will ich auch schon vor dem Tod. Im Laufe der Zeit habe ich meine sportlichen Aktivitäten auf solche beschränkt, die kaum Ausrüstung benötigen und nur minimale Kosten und Aufwände verursachen: Laufen, Wandern, Radfahren, Gymnastik. Eingekauft wird mit dem elektrolosen Fahrrad. Neben wöchentlichen Wanderungen mache ich auch fast täglich eine "workout" Stunde.

Mit dem Internet und einem Smartphone ist vieles sehr einfach geworden. Man stellt das Gerät so auf, dass man es während den Übungen sehen kann, gibt auf Youtube "core workout" ein, und schon kann man unter unzähligen Videos wählen, die einem Übungen vormachen. Hat man eines ausgewählt (ich wähle immer andere), wechselt man auf full-screen und schon kann man die Bewegungen nachmachen, falls sie nicht allzu kompliziert sind. Leider sind die meisten Videos auf Leistungsteigerung aus und nicht auf Gesundheit. Darum möchte ich hier festhalten, wo der gesunde Sport aufhört und der ungesunde (Mediensport) beginnt.

Wer einmal länger ein Fitnesscenter besucht hat, der weiß, dass dort keine Gesundheit vermittelt wird. Dort wird Muskelmasse mittels ausgeklügelter Geräte und Bewegungen vermittelt und viel Geld dafür genommen. Krampfmuskeln, Kreislaufbeschwerden und frühe Arthritis sind die Spätfolgen. Zu hohe Belastungen führen zu Leiden, und an den Fitnessgeräten werden immer die Zähne zusammengebissen, und die Gesichter sehen nicht glücklich aus. Das halte ich für falsch. Zu Schwitzen und seine Leistungsfähigkeit immer wieder auszuloten, das halte ich aber nicht für falsch. Beim Laufen ins Keuchen zu kommen macht einem die Bedeutung von Atmung bewusst und hat keine Spätfolgen. Alles was Spaß macht, ist gesund. Wenn es zu schmerzen beginnt, sollte man aufhören, da wird es ungesund, auch wenn kurzfristig vielleicht die Muskeln dadurch wachsen. Man hat nichts davon, die wachsen auch anders. Sport muss Gewohnheit sein, nicht kurzfristige Spitzenleistung vor dem nächsten WM-Finale.

Was ich an den diversen "workout" Videos falsch finde ist die Fixierung auf Stopuhren, die "timer". Die Anzahl der Wiederholungen halte ich für viel wichtiger. Um den Körper an eine bestimmte Bewegung zu gewöhnen braucht es mindestens 3 Wiederholungen, mit 7 merkt er sie sich sicher, aber bei 12 beginnt meist schon der Schmerz. Das gilt jedenfalls zum Beispiel für "side-planks" mit Heben des oberen Beines: ein Ungeübter wird da kaum mehr als 12 Beinhebe-Wiederholungen zusammenbringen ohne Schmerz zu empfinden. Warum also die Übung auf 50 Sekunden ausdehnen, in denen man meist ohnehin auf den Boden zurücksinkt? Das nimmt einem die Motivation.

Warum in diesen Videos niemand von richtiger Atmung spricht, verstehe ich überhaupt nicht, denn das ist die Essenz jedes Sports. Bewegung wird leicht, wenn man dazu richtig atmet. Zu wachsender Belastung ausatmen, bei Entspannung einatmen. Immer das richtige Maß an Atemluft für jede Bewegung finden, bis die Bewegung Spaß macht. Atem nicht pressen, also nicht die Luft anhalten, bestenfalls beim anfänglichen Einüben einer noch unbekannten Bewegungsabfolge. Also niemals "planks" so machen, dass man kaum atmet, bis die Stopuhr endlich frei gibt, sondern so stark atmen, als ob man laufen würde. Der Körper braucht das bei solcher Spannung, und warum soll er es nicht haben?

Was auch viel zu kurz kommt ist leichte Bewegung. Damit meine ich nicht "stretching". Damit meine ich Ausschütteln, zum Beispiel auch Tanz, Entspannung durch Bewegung statt durch Ruhe. Die Bewegung sollte schnell und leicht sein. Hampelmannsprünge sind die obere Grenze. Armkreisen gehört dazu, für die Schultern. Beine ausschütteln. Den Rumpf seitlich verdrehen erhält die Wirbelsäule gesund. Das alles kann man in begrenztem Ausmaß schnell machen. Ich schalte mir dazu immer Musik vom frühen Elvis Preslesy ein, "Whole Lotta Shakin", das ist das richtige Gefühl, die Musiker schütteln euch die Glieder richtig durch. Also, liebe Videoproduzenten, wo ist der leichte schnelle "workout", um ohne blau angelaufenes Gesicht munter zu werden?

Machen sie nicht, weil es dabei nicht um Leistung geht. Kein Gewinn, keine Muskelmasse, keine Aussicht auf den Sieg, kein Ruhm und Ehre. Es geht um Geld, nicht um Moral, es geht um Macht, nicht um Leben. Fast möchte ich sagen, Sport ist eine Zivilisationskrankheit geworden. Aber wenn man sich den ursprünglichen Sinn des Wortes bewahrt, wird man ein besseres Lebensgefühl erreichen und sich im Alter Schmerzen ersparen. Glaube ich jedenfalls, und bin das lebende Experiment dazu.

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