Der Überblick aus den Alpen
Im Osten sitzt ein großes Problem. Das Alaska-Treffen am 15.8.2025 zwischen dem amerikanischen Immobilienhändler Trump und dem russischen Zaren Putin hat klargemacht, dass kein Friede in Sicht ist auf dieser Welt, womit ich vor allem Europa meine. Dazu möchte ich einige Details nennen.
Warum hat Putin in Anchorage so lange über Alaska geredet? Um sich für die Gastfreundschaft zu bedanken, die ihm ja gar nicht zuteil gerworden ist, weil dort überall Menschen gegen seine Ankunft demonstriert haben und ukrainische Fahnen geschwenkt haben? Nein, er hat in seiner Rede dort endlos lange der russischen Geschichte Alaskas gedacht und hat dem Grund des Treffens, nämlich Frieden in der Ukraine, einen einzigen Satz gewidmet, der eine Absage war. Hier ein Foto eines Gedenksteines auf der Halbinsel Krim, die 2014 entgegen dem internationalen Völkerrecht von Russland militärisch besetzt wurde:
Klickt auf das Bild für Vergrösserung. Da steht drauf:
Wir haben die Krim zurückgeholt, ihr werdet Alaska zurückholen.
Rechts oben der Umriss der Krim, links unten der Alaskas. Ich glaube nicht, dass Putin sich solche Gedenksteine persönlich ausdenkt. Da ist ein kollektiver Glaube an Gewalt vorhanden in der russischen Bevölkerung, und ein tiefer Glaube daran, dass den Russen dauernd Unrecht getan wird vom "imperialistischen Westen" und der NATO, und dass man sich militärisch durch Eroberungen dagegen wehren muss. Der Glaube war schon immer viel zu stark in diesem Teil der Erde, der immerzu und auch heute noch von gewalttätigen Monarchen beherrscht wird.
Im Westen sitzt auch ein großes Problem. Das Alaska-Treffen hat klargemacht, dass Trump auf der Seite Putins steht, wie er überhaupt immer auf der Seite der Gewalt gestanden ist und stehen wird. Er ist aus dieser Perspektive sehr gut berechenbar (nicht so unberechenbar wie ihn die Medien nennen). Die Details dazu sind folgende.
Beim Gespräch zwischen dem deutschen Bundeskanzler Merz und Trump im berüchtigten "Oval Office" hat es einen aus meiner Sicht vielsagenden Moment gegeben. Merz erinnerte an den D-Day, den Tag an dem die Amerikaner 1944 an der Westküste Europas landeten und die deutschen Nazi-Truppen mit Infanterie zu bekämpfen begannen. Trump sagte (lächelnd):
This was not a pleasant day for you?
(Das war wohl kein angenehmer Tag für euch?)
Nun kann man das natürlich auch als Fangfrage verstehen: "Ist dieser Kanzler vielleicht insgeheim ein Nazi?". Aber ich denke, Trump wollte auf die Überlegenheit Amerikas hinweisen, und dachte nicht daran, dass Europa durch den Eingriff der Amerikaner von den Nazis befreit wurde, wie Merz gleich darauf richtig sagte. Wie kommt man auf die Frage "Das war wohl kein schöner Tag für euch"? Indem man nur in Kategorien von Gewalt und Beherrschung von Massen denkt. Indem man für Friede und Freiheit nur ein mitleidiges Eierkuchen-Lächeln übrig hat. Exakt als Merz "liberation" sagte , begann Trump zu lachen.
Trump ist kein Politiker, er ist ein Immobilien- und Medien-Zar, vollkommen ungeeignet für das Präsidentenamt. Er hat sich umgeben mit gutaussehenden "nützlichen Idioten", die das, was er unter Diplomatie versteht, für ihn betreiben. Seine letzte verfehlte Aussage war, dass der ukrainische Präsident Zelensky den Angriffskrieg Putins sofort beenden könnte. Jeder auf diesem Planeten weiß, dass Putin nur die Kapitulation akzeptieren würde.
Die Probleme im Süden sind ganz besonders unerfreulich viele. Ein Völkermord im 21. Jahrhundert an den Palästinensern, verübt von jüdischen Fanatikern unter Führung des amerikanisch-israelischen Architekten Netanjahu. Die Juden, die in Millionen von den deutschen Nazis im Zweiten Weltkrieg ausgeraubt, gefoltert und ermordet wurden, haben 1948 ein Land von den Briten zugesprochen bekommen und verteidigen ihre seit Jahrtausenden vermisste Heimat mit einer Grausamkeit, die wohl geschichtlich erlernt ist.
In der Türkei verhaftet derzeit der Geistliche Erdogan alle Politiker der Opposition und sperrt sie unter fadenscheinigen Vorwürfen in seine Gefängnisse. Darunter auch den Bürgermeister von Istanbul, der er selbst auch einmal war. Wenn er selbst ehrliche Arbeit geleistet hätte, müsste er sich nicht vor Konkurrenten fürchten. Und dann noch Lybien, Syrien, Iran, ... in den Süden will ich gar nicht schauen, furchtbar.
Also im Westen, im Osten und im Süden nichts Erfreuliches. Auch in der Nordsee zerschneiden Chinesen und Russen eifrig europäische Unterseekabel. Und in der Mitte ist Europa, das die Ukraine nicht ausgelöscht sehen will. Es wird überrannt von Flüchtlingen aus der ganzen Welt, auch aus Ländern, in denen gar kein Krieg herrscht und kein Diktator foltert und mordet. In China sagt man, wer Europa hat, hat die Welt. Eroberungsgelüste sind ganz offensichtlich in das globale Bewusstsein eingedrungen, anders ausgedrückt, die Idee des Imperialismus hat die einstmaligen Entwicklungsländer erreicht. Erfunden wurde er ja in Europa. (Auch der so katastrophal an Mao und Stalin gescheiterte Kommunismus entstand übrigens in Europa.) Europa will sagen "Geht nicht diesen Weg, sonst endet ihr wie wir", aber Europa hat ja noch nicht geendet, hat eine gute Lebensqualität und wird politisch auch überall respektiert. Sogar Putin wollt anfangs, dass Europa an Friedensgesprächen teilnimmt, ganz gegen den Willen von Trump.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Europa geistig und materiell zerstört. Als Wiederauferstehung war nur die Übernahme der amerikanischen Lebensweise möglich, gefördert durch den Marshal-Plan. Heutiges Ergebnis ist ein Deutschland ohne Atomwaffen (wurde ihnen nicht erlaubt) und etwa 40.000 amerikanischen Soldaten in 19 militärischen Stützpunkten. England und Frankreich haben Atomwaffen, aber keineswegs in dem Ausmaß wie die USA. Europa ist nicht nur deshalb nicht verteidigungsfähig, weil es sich nach dem Weltkrieg auf neue Werte besinnen musste, sondern auch, weil es sich auf die von den USA gegründete NATO verlassen hat. Und Trump wird die USA bald aus der NATO austreten lassen, und Putin wird die Russen wird bald im Baltikum einmarschieren lassen. Alles muss man selber machen lassen.
Das war der Überblick aus den Alpen. Trübe Aussichten in alle Richtungen. Ich fürchte fast ich werde noch recht behalten mit meiner Behauptung, dass der Dritte Weltkrieg bereits 2011 in Syrien begonnen hat, und dass Trump der amerikanische Hitler ist. Die Bewohner von Teheran sind jetzt schon dieser Meinung, aber ihre Bewacher finden Hitler gut, genauso wie die Palästinenser das tun. Eine besinnungslose Welt.


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