Iran und Uran

Gestern habe ich nocheinmal versucht, die Hintergründe zum Konflikt zwischen Israel/USA und Iran zu verstehen. Warum darf der Iran aus Sicht der internationalen Gemeinschaft keine Atombombe entwickeln, wenn doch schon viele nicht vertrauenswürdige Staaten mit zweifelhafter Einstellung zu Menschenrechten wie Russland, Nordkorea, Pakistan und Indien Atomwaffen besitzen? Dieser Versuch hat dann bei einem Film von Frieder Wagner geendet, der mich sehr erschreckt hat. Er handelt von Uran-Munition der Westmächte (USA, NATO), die nicht nur im Irakkrieg, sondern auch in Europa im Kosovo-Krieg zum Einsatz gekommen ist. Nach Veröffentlichung dieses Fernsehfilmes bekam der Produzent aus unerfindlichen Gründen keine Aufträge mehr (kann man so etwas eine Verschwörung nennen?).

Wieso waren die Panzer der USA im Irakkrieg denen des Irak so überlegen? Wie kann eine von oben kommende Bombe in ein mehrstöckiges Haus in Bagdad eindringen, durch alle Stockwerke bis in den Keller vordringen und erst dort explodieren? Wie kann eine Bombe das iranische Atomlabor in Fordo zerstören, das 90 Meter unter der Erdoberfläche liegt?

Diese Geschosse wurden und werden aus abgereichertem Uran hergestellt (depleted Uranium, DU). Dieses Material hat eine 1,7 mal höhere Dichte als Blei, und Blei wurde ja gerade wegen seiner Schwere immer als Schußmunition verwendet. Die Durchschlagskraft eines schweren Materials ist ungleich viel höher als die eines leichten. Die irakischen Panzer wurden mit einem einzigen Schuss ausgelöscht, der den Turm durchdrang und von innen absprengte, während die Hitze die Soldaten natürlich sofort verbrannte, aber auch eine meterhohe Feinstaubwolke freisetzte, die stark radioaktiv war und Jahrhunderte so bleiben wird. An den Folgen leiden heute, abgesehen von unzählbar vielen irakischen Einwohnern, noch zehntausende britische und amerikanische Soldaten und deren Kinder, deren Beschwerden aber von der Politik dieser Staaten nicht gerne angehört werden und deshalb auch nicht von den Medien verbreitet werden. Man bezeichnet so etwas als "Kollateralschäden". Auch die Ukraine hat übrigens solche Munition aus den USA erhalten, und womit die Putins schießen möchte ich gar nicht wissen. Sicher ist, dass all diese Schüsse eine sehr nachhaltige Halbwertszeit haben werden.

Abgereichertes Uran ist ein Abfallprodukt bei der Herstellung von Brennstäben für Atomkraftwerke. Davon hat die Atommacht USA sicherlich im Überfluss, und die Endlagerung ist nicht unproblematisch. Warum also nicht einem Zweck zuführen? Solch ein verantwortungsloser Gedankengang ist wohl einer der Gründe, warum die USA von Nahen bis zum Fernen Osten so verhasst sind. Die Verharmlosung von Umweltgiften hat in den USA eine lange Tradition, man denke nur an verbleites Benzin, Dioxin und Agent Orange (was übrigens Spitzname von Trump geworden ist:-).

Der Iran hat dem Atomwaffensperrvertrag 1969 unter dem westlich orientierten Schah zugestimmt und 1970 ratifiziert. Im Jahr 1979 übernahm der Geistliche Chomeini die Macht im Iran und eine Welle des Hasses schlug dem Westen entgegen. Alles wurde ins Gegenteil verkehrt, sogar die bereits im Entstehen begriffene iranische Atomtechnologie wurde als "unislamisch" verteuftelt. Das änderte sich aber bald und nach langjährigen Bemühungen wurde das iranische Atomprogamm 2002 bekannt und ging mit dem Atomkraftwerk Buschehr 2010 unter russischer Unterstützung in Betrieb. Der Iran war nach der islamischen Revolution 1979 aber nicht aus dem Atomwaffensperrvertrag ausgestiegen, das hielt er vielleicht nach all seinen Drohungen gegen Israel für überflüssig. Oder er wusste, dass er den Weg zur Atomkraft ohne den Westen nicht schaffen würde. Seit 2007 sterben allerdings regelmäßig iranische Atomwissenschaftler an Bomben, Gift, Schüssen und Entführungen, Computerwürmer legten Atomaufbereitungsanlagen lahm, irgendwelche Mächte tun alles, um das iranische Atomprogramm zu stoppen. Denn der Iran behinderte immer wieder die Kontrollen des Sperrvertrages durch die IAEO.

Nun geht es um die Trennung von Atomwaffen und Atomkraftwerken. Für Atomwaffen braucht man auf mindestens 85 % angereichertes Uran. Für Kraftwerke reichen 20 %. Dass Iran mit seinen 60 % bereits weit über der erforderlichen Anreicherung lag ist klar, und damit auch, dass er an Atomwaffen arbeitet. Was er damit machen will ist nicht so klar. Er droht zwar seit Jahrzehnten mit der Auslöschung Israels, aber nachdem an der Entwicklung der Atombombe 1943 viele von Hitlers Nazi-Regime vertriebene Juden mitgearbeitet haben, besitzt Israel natürlich schon seit langem Atomwaffen. Ich halte die Vorstellung, dass das riesige Land Iran einzig allein darauf hin arbeitet, demnächst eine Atombombe auf das kleine Land Israel zu werfen, für nicht realistisch, denn es würde 30 Minuten später selbst vernichtet werden. (Obwohl nun nach den Militäroperationen der USA und Israels für so einen Angriff wahrlich ein Grund entstanden ist.) Ich halte es eher für realistisch, dass der Iran Atomwaffen haben will, weil er sich vor den USA und Israel fürchtet. Er ist allerdings immer noch nicht aus dem Atomwaffensperrvertrag ausgetreten, und darum muss er sich von der IAEO kontrollieren lassen. Diese Kontrollen hat aber 2018 der damalige Präsident der USA Trump dummerweise beendet und dem Iran dadurch den Weg zu Atomwaffen frei gemacht. Ist es überhaupt möglich, mittels Kontrollen den Betrieb von Kernkraftwerken vom Bau von Atomwaffen zu trennen, wenn doch schon abgereichertes Uran ausreicht, um Radioaktivität mittels Geschossen zu verbreiten? Das Nein hängt in der Luft.

An diesem Punkt habe ich mich gefragt, wie Nordkorea, Pakistan und Indien an die Atombombe gekommen sind. Dazu muss man den Namen Abdul Qadeer Khan kennen. Denn nicht die Politik hat Radioaktivität auf dieser Welt verbreitet, sondern die Wissenschaft. Der indisch/pakistanische Atomwissenschaftler Abdul Kadir hat nach seinem Studium im Westen alle diese Staaten gegen Geld mit seinem Wissen beliefert. Seine Rechtfertigung: "Wären der Irak und Libyen Nuklearmächte gewesen, wären sie nicht zerstört worden." Er bezieht sich damit auf die abschreckende Wirkung von Atomwaffen. Nicht nur er ist der Überzeugung, dass Atomwaffen nicht Krieg schaffen, sondern Frieden sichern. Wenn man den Ablauf der letzten Kaschmir-Schießerei zwischen Indien und Pakistan betrachtet hat er absolut recht. Nach Austausch von gegenseitigen Drohungen war alles wieder ruhig.

Letztlich geht es aber um die Verhinderung der Verbreitung von Radioaktivität auf dem Planeten Erde. Während "America First" dies als die Abschirmung der USA (inklusive Mexikos, Kanadas und Grönlands) gegen das böse Ausland versteht, während Russland dies als Abwehr der NATO versteht und deshalb in die Ukraine einmarschiert, während die 5 alten Atommächte noch immer ungerechtfertigte Veto-Rechte bei den Vereinten Nationen haben, während Europa von Ungarn und der Slowakei an notwendigen Maßnahmen gehindert wird, wird weiterhin mit radioaktiver Munition geschossen, die den Planeten im Lauf der Zeit ebenso stark schädigen wird wie Atombomben, denn es entstehen weltweit immer mehr bewaffnete Konflikte. Wenn die Geheimdienste die Medien so stark beherrschen, dass sogar Filme wie "Deadly Dust" unterdrückt werden, wenn das Internet mit Trump'schen fake-news bis zur Unbenutzbarkeit zugepflastert wird, kann man nicht mehr damit rechnen, dass die Wahrheit noch irgendwo aufscheinen wird. Die USA sind zur Autokratie zurückgekehrt (haben die sklavenhaltenden Südstaaten nun doch gesiegt?), in Europa ist der ohnehin immer noch latent vorhandene Nationalsozialismus wieder erstarkt, und in einem israelischen Palästinensergebiet wird ein deutscher Journalisten gefragt, warum Hitler in Deutschland nicht als Volksheld verehrt wird! Da hat sich ein gordischer Knoten gebildet, und die Großen Alexanders stehen mit ihren Schwertern schon reihenweise bereit, um ihn mit Gewalt zu zerschlagen.

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