Der Krieg der Worte

Wer die erste Atombombe wirft, stirbt 30 Minuten später. Diese Meinung scheint in Israel unbekannt zu sein. Die religiösen Fundamentalisten unter der Führung von Netanjahu schüren seit 25 Jahren die Angst der Bevölkerung Israels vor einem iranischen Atomschlag. Die offenbar auf Machtanbetung fixierten westlichen Medien verbreiten das ungefiltert als Wahrheit. Nachdem die palästinensische Widerstandbewegung Hamas am 7. Oktober 2023 einen Ausfall aus dem Ghetto des Gaza-Streifens gewagt hat und Israel daraufhin Gaza zerstört hat, begann es auch das eben erst befriedete Syrien zu bombardieren und führt nun seit 13. Juni 2025 einen unerklärten Krieg gegen Iran. Netanjahu hat angekündigt, den "Nahen Osten zu transformieren".

Diese israelische "militärische Operation" klingt nicht nur ähnlich wie die russische "militärische Spezialoperation" in der Ukraine, die in Wirklichkeit ein Eroberungskrieg ist. Israel ist dabei, sämtliche iranische Atomtechnologie inklusive Atomkraftwerke und zugehörige Wissenschaftler zu vernichten, also den Iran in die Steinzeit zurück zu werfen. Dass es gelingen wird, das religiös-fundamentalistische iranische Regime zu stürzen oder ihm die Grundlagen für den Bau einer Atombombe zu nehmen ist höchst unwahrscheinlich. Dazu bräuchte es einen militärischen Einmarsch. Warum also dieser Krieg?

Wegen der Worte. Iran droht Israel immer wieder mit dem Tod.

Fakten:
Das 1948 von den Briten und den USA auf dem Land der Palästinenser gegründete Israel hat inklusive völkerrechtswidrig besetzter Gebiet eine Fläche von 29 tausend km2 und 10 Millionen Einwohner bei einer Dichte von 410 Einwohnern pro km2. Iran (Persien) hat 88 Millionen Einwohner und eine Fläche von 1,65 Millionen km2 bei einer Dichte von 52 Einwohnern pro km2. Die kürzeste Entfernung zwischen den Grenzen Irans und Israels beträgt etwa tausend km. Dass zwei so unterschiedliche und weit voneinander entfernte Staaten Krieg gegeneinander führen können liegt an der modernen Waffentechnologie, in deren Entwicklung die an der Seite Israels stehenden USA führend sind. Israel ist von lauter ihm feindselig gestimmten Staaten umgeben, mit Ausnahme von Jordanien, wo allerdings die meisten vor den Israelis geflüchteten Palästinenser leben.

Der westlich orientierte Iran hatte Israel 1948 als einer der ersten als Staat anerkannt, aber die islamische Revolution 1979 unter dem Geistlichen Chomeini hat alles ins Gegenteil verkehrt und droht seither, auch noch nach dem Tod Chomeinis, mit der Vernichtung Israels und auch der USA, denn Israel sei ja nur eine Kolonie der USA. Damit hat der Krieg der Worte begonnen. Es waren übrigens auch nichts anderes als Worte, mit denen Chomeini im Iran an die Macht gekommen ist.

Soll man die Drohungen eines Staates ernst nehmen, der einem täglich den Tod wünscht, aber nichts entsprechendes unternimmt, und der mit der vollkommen unrealistischen Vernichtung der USA auf der anderen Seite der Weltkugel droht? Oder kann man das als Wutausbrüche eines alleinstehenden barbarischen Herrschers ignorieren? Die iranischen religiösen Fundamentalisten haben etwa 12 Prozent der Bevölkerung auf ihrer Seite, also etwa elftausend Iraner herrschen über die restlichen 88 Millionen. Und zwar grausam, mit Galgen und Peitsche, ein Feudalstaat. Schon vor 1979 setzte sich Chomeini für die Grossgrundbesitzer und gegen die Landreform des Schahs ein, er verteidigte sogar die Verheiratung von Mädchen ab 9 Jahren. Er war der klassische radikalisierende Hetzredner, ein Hitler, und er hatte unglaublichen Erfolg, darum musste er 1964 auch ins Exil gehen. Fundamentalistisches Denken baut auf Gott, wobei Gott hauptsächlich durch den Imam repräsentiert wird, d.h. was gut und wahr ist weiss nur Chomeini und seine von Gott ernannten Nachfolger, das ist der islamische Staat. Einen Staat, der 88 Prozent der eigenen Bevölkerung gegen sich hat, muss man nicht ernst nehmen, denn der kämpft hauptsächlich gegen sich selbst. Der Mord an einer das Kopftuch nicht korrekt tragenden jungen Frau bewies das.

Wie argumentiert man ein Verbot von Atomtechnologie im Iran, ohne sich jedoch auf dessen bedrohliche Worte zu beziehen? Pakistan hat die Atombombe, Indien, Russland, sogar Nordkorea, alles diktatorisch regierte Länder, von denen man sich keinen Weltfrieden erhoffen darf. Warum darf Iran keine Atombombe haben, muss es sich nicht gegen Israel und die USA verteidigen? Robert Oppenheimers Satz "Jetzt bin ich zum Tod geworden, zum Zerstörer von Welten" wird langsam Wirklichkeit. Für den derzeitigen Präsidenten der USA Trump gelten als Staaten ohnehin nur jene Sozialstrukturen, die sich um eine Atombombe versammeln. Diese Staaten dürfen seiner Meinung nach über alle anderen bestimmen, darum ermutigte er Russland auch zum Einmarsch in die Ukraine. Wenn man dem Iran die Atombombe verweigert, ernennt man ihn damit zum Unmenschen des Planeten, der so böse ist, dass er kein Spielzeug haben darf. Das "auserwählt Volk" Israel hingegen wird im Gaza-Streifen von Trump verwaltete Luxushotels erbauen. Lange werden sich die Menschen das nicht mehr anhören, vor allem nicht die asiatischen und moslemischen, und das sind viele. Es gibt keine auserwählten Völker, nur selbsterwählte.

Wenn man den israelischen Präsidenten Netanjahu mit Bibelzitaten gegen den Iran hetzen hört, hat man den Eindruck, einen religiösen Fundamentalisten vor sich zu haben. Klarerweise versuchen Herrscher immer, die religiös fühlende Bevölkerung auf ihre Seite zu bringen. So gelangte ja auch Chomeini an die Macht. In diesem Sinne muss man Religion heutzutage als Gewalt einstufen, die Kriege auslöst, es sind nicht nur die marxistischen Bodenschätze des Planeten, um die gekämpft wird. Der Glaube kann Berge versetzen, steht in der Bibel. Ohne Gewalt wird das allerdings nicht gehen.

In der Bibel steht übrigens sehr viel Unsinn. Ebenso wie im Koran. Weil das uralte Bücher sind. Religion behauptet, ewige und unauslöschliche "Gebote" zu haben, mit denen das Leben der Menschen geregelt werden könne. Aber die Welt und die Menschen ändern sich ständig. Wie können Gebote da ewig und unauslöschlich sein? Wie passt das biblische Gleichnis von Weinberg noch in die heutige Zeit? Wer glaubt die Verwandlung von Wasser in Wein heutzutage noch? Das sind alles Worte, die zum blinden Glauben verführen sollen. Wenn man die ernst nimmt, entsteht der Krieg der Worte.

Comments