Ausgrenzung

Da erschießt am 10.6.2025 vormittags ein 21-jähriger Jugendlicher 11 Menschen in seiner ehemaligen Mittelschule in Graz, aus der er in der sechsten Klasse ausgeschieden war, sie also nicht abgeschlossen hatte. Außer einer Lehrerin dürfte er keines seiner Opfer gekannt haben, denn 10 davon waren Schulkinder. Die Medien sind ebenso wie die Exekutive völlig ratlos, warum er das getan hat, kein Motiv konnte angeblich gefunden werden. Niemand hat offenbar danach gefragt, warum er aus der Schule ausgeschieden ist. Dort liegt die Ursache, die die Zivilgesellschaft ein Recht hätte zu erfahren.

Das Motiv ist klar: Ausgrenzung. Warum fahren abgelehnte Asylwerber mit Autos in Menschenmengen, schießen oder stechen mit Messern um sich? Weil sie ausgegrenzt werden. Diese Menschen kommen aus Ländern, aus denen sie wegen Gewalt flüchten mussten, sei es staatliche oder nachbarschaftliche Gewalt. Meist sind es Opfer, manchmal allerdings auch Täter. Sie suchen jedenfalls Schutz in einem Rechtsstaat, der sich zum Menschenrecht der Freizügigkeit bekennt (wie auch immer das momentan formuliert ist, es wird immer als Recht zur Flucht betrachtet werden). Dann lehnt sie dieser Staat ab, weil die Zuwanderung unglaubliche Ausmaße angenommen hat, sei es weil die Industriestaaten so viele Waffen an Autokratien verkaufen, sei es weil diese Autokratien der Gewalt und Korruption keine Grenzen setzen. Der Flüchtling sieht sich nun hin und her gestoßen zwischen Folterern zuhause und rechtsstaatlicher Justiz und Exekutive im Fluchtland. Also wählt er die Selbstvernichtung und übt zuvor noch Rache an der Gesellschaft, deren Staatsmacht ihn ausgegrenzt hat.

Die Situation des 21-jährigen Mörders von Graz war ganz ähnlich. Zwar war er kein Asylwerber, aber er war ausgegrenzt, er hatte nach seinem Schulabbruch weder Weiterbildung noch Arbeit gefunden. Schuld am Schulabbruch war sicherlich nicht nur er alleine. Unser Schulsystem ist noch immer keine Gesamtschule, die allen dieselben Chancen gibt, und noch immer wird dort Auslese für die leistungsorientierte Industriegesellschaft praktiziert statt junge Menschen zu vertrauenswürdigen Staatsbürgern zu erziehen.

Den Samen der Gewalt hat sicherlich ein Elternteil in ihn gesetzt, sei es der Vater, der Armenier war (Asylwerber?), oder die Mutter, denn auch Mütter sind oft gewalttätig gegen Kinder. Das Zusammenspiel eines nicht gewaltfreien Elternhauses mit einer elitär eingestellten Schule und dem ständig Gewalt anb(i)etenden Internet hat zu dem Massaker geführt.

Die Medien und die Exekutive stellen den Vorfall so hin, als ob es eine Singularität gewesen wäre, die nur alle 1000 Jahre einmal vorkommt, kein Motiv, völlig unvorhersehbar, wird sich nicht wiederholen. Die Aussage der Mutter des Täters kommt in den Berichten nicht vor. Ich glaube nicht, dass sie nicht befragt wurde, und immerhin hatte der Mörder auch Geschwister. Dort würde man die nähere Erklärung für den Vorfall finden. Aber das wird vom österreichischen Amtsgeheimnis-Staat zensuriert. Weil sonst der soziale-Medien-Mob die restliche Familie bedrohen würde. Die Spirale der Gewalt.

Die "vielen Fragen, die unbeantwortet bleiben", bleiben deshalb unbeantwortet, weil sie niemand stellt, oder weil deren Beantwortung für "normale Menschen nicht geeignet" sind. Und wir normale Menschen werden mit dem soziale-Medien-Mob gleichgesetzt.

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