Ungleichheit

Die Medien quellen über vor Nachrichten aus den USA, deren Wirtschaft die bei weitem höchst verschuldete des Planeten ist, und deren Zölle verhängender Präsident behauptet, sie sei über Jahrzehnte von anderen Staaten mittels Handelsdefiziten ausgebeutet worden. Die reichsten Männer des Planeten haben sich zusammengetan, um einen Handelskrieg der USA gegen die restliche Welt zu beginnen. Eine Meinung bilden über diese Vorgänge kann man sich angesichts vieler entgegengesetzter Behauptungen dazu am Internet nur schwer, aber für uns Geld- und Machtlose ist das ja eigentlich normal, wir leben seit Jahrtausenden unter der autoritären Herrschaft von irren Phantasten, die sich für Übermenschen halten und die Welt beherrschen möchten. Weil das so ein schöner Traum ist, bemerken wir gar nicht, wie wir von denen ausgenutzt werden.

Meinen Fortschritt an Meinungsbildung möchte ich hier nun festhalten. Ich habe eigentlich nichts gegen Zölle, das ist ein legitimes Mittel, um die eigene Wirtschaft zu schützen. Ich erinnere mich an die 1980er Jahre, als die italienischen Kartoffeln so billig waren, dass die Produktion aus dem eigenen Land liegen blieb. So etwas darf man verhindern, denn sonst gerät man in Abhängigkeit. Aber man kann auch alles missbrauchen. Ob die USA das derzeit wohl tut?

Ein empfehlenswertes Video zu Ungleichheit habe ich auf youtube gefunden, das allerdings schon 12 Jahre alt ist (es hat sich seither noch verschlimmert):

Die hier beschriebene Ungleichheit ist weitgehend in der ganzen westlichen Welt so, auch in Österreich besitzen 1% der Bevölkerung 40% der finanziellen Mittel, und 10% verfügen über 70%. Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer muss 56 Jahre arbeiten, um das zu verdienen, was ein Manager in einem Jahr verdient, habe ich in den Medien gehört. Das wäre die Fortsetzung der Monarchie in der Welt des Geldes. Können 10% Geldsüchtige über den Weg in die Zukunft eines ganzen Volkes entscheiden? Geht da nicht unglaublich viel Einfallsreichtum, Produktivität und Wirklicheitseinschätzung verloren? Und vor allem die demokratische Mitbestimmung?

Die "Trickle Down" Behauptung Ronald Reagan's, hierzulande genannt "Wenn's der Wirtschaft gut geht, geht es allen gut", hat sich nicht bewahrheitet. Die Gewinner legen wie Dagobert Duck alles in den Geldspeicher und lassen die Massen nicht mehr am Überfluss teilhaben. Angeblich ist das erst seit 1970 so, als sich die Lohnsteigerungen der Arbeitnehmer nicht mehr an die immer wachsende Inflation anpassten, sondern auf gleichem Niveau blieben. Die Manager und Unternehmer waren also nicht mehr bereit zu teilen. Die Reichen wurden immer reicher, aber die große Masse, die ihnen dazu verhalf, nicht mehr. Folge war, dass sich das traditionelle Familien-Bild mit der Frau am Herd und dem Mann bei der Arbeit auflöste und auch die Frauen dazuverdienen mussten. Das hat sich heute bis zu den "Working Poor" gesteigert. Dass die durchschnittliche österreichische Frau nur mehr 1,4 Kinder hat liegt sicherlich auch daran, dass die dafür notwendigen Existenzgrundlagen immer unerreichbarer wurden und noch immer sind.

Es gibt aber auch Stimmen, die sagen, dass Ungleichheit der Motor der Menschheit sei und dass es deshalb keine Reichensteuer geben dürfe. Wenn es keine Reichen mehr gäbe, gäbe es auch keinen Traum vom schönen Leben mehr. Ohne die Reichen, die sich in den 1990er Jahren die teuren Mobiltelefone leisten konnten, gäbe es heute keine Smartphones für die Massen, keine technologische Entwicklung. Die Reichen sollen sagen, was sie gern hätten, und der Rest solle daran arbeiten, nur so könne die Wirtschaft funktionieren. Das ist das "Karotte vor des Esels Maul" Prinzip, diese Redensart habe ich oft gehört in letzter Zeit.

Ich denke, dass die Reichensteuer in die Verfassung geschrieben werden sollte, und zwar dass sie einsetzen muss, sobald die Lohnsteigerungen nicht mehr mit den Unternehmensprofiten mitgehen. Man muss aus der Geschichte lernen. Natürlich will die Oberschicht das verhindern.

Interessant finde ich auch die Schwankungen der Reichtumszuwächse der verschiedenen sozialen Schichten. Die Mittelschicht hatte seit 1970 am wenigsten Zuwachs. Die Armen und die Oberschicht schon mehr, bei weitem den höchsten Zuwachs hatten die Superreichen. Allerdings weist dieser höchste Zuwachs viel stärkere Schwankungen auf als der anderer Schichten. Was eigentlich zeigt, dass das ein Spiel mit Korruption ist (siehe Rene Benko's Signa-Pleite). Ein Spielkasino, in dem immer nur die Bank gewinnt, die aber den Superreichen gehört, die diese Spiele auch veranstalten. So wie die Römer das Volk durch "Brot und Spiele" gefügig hielten. Sie fliegen lieber bemannt zum Mars als Hunger und Krankheiten der Welt zu beseitigen.

Natürlich werden niemals alle Menschen gleich sein, aber gleiche Chancen und Rechte sollten irgendwann doch alle Menschen bekommen. Der Kommunismus endete, als russische Beamte den Nomaden Tschuktiens in Nordostasien einredeten, dass die Rentiere jetzt nicht mehr ihnen gehörten, weil Eigentum Diebstahl sei. Der Kapitalismus steht kurz vor seinem Kollaps, die USA arbeiten daran. Wir brauchen neue Konzepte. Vor allem eine neue Version von Demokratie, denn die jetzige erweist sich angesichts der militärischen Bedrohung durch Russland als zu wenig reaktionsfähig. Die europäische Politik funktioniert zwar und tut das Richtige (ausgenommen Ungarn, Slowakei und Serbien), nicht aber Industrie und Wirtschaft. Denen liegt am überallhin verschiebbaren Geld mehr als an der Wehrfähigkeit.




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