Wenn Wutbürger regieren

Es ist ein offenes aber nicht ausgesprochenes Geheimnis, dass die Ukrainer durch Entzug von amerikanischer Satellitenüberwachung blind gemacht dem Vormarsch der Russen in Kursk nicht mehr standhalten konnten. Die Zeitpunkte stimmen genau überein. 400 ukrainische Soldaten gerieten deshalb angeblich in russische Hände. Geheimnis deshalb, weil nicht einmal die Medien (nicht einmal in Podcasts) etwas zu sagen wagen über diese Einmischung der Amerikaner zugunsten der Russen. Man könnte den Wutbürger im Weissen Haus dadurch ja zu noch viel gemeineren Aktionen provozieren. Der hat ja schon vor langer Zeit gesagt, dass die Ukraine nicht auf russisches Gebiet schießen sollte. Jetzt hat er ihre Niederlage einfach befohlen, so wie das die Alleinherrscher aller Zeiten gemacht haben. Dass die Satelitenüberwachung wieder aufgenommen wurde, sobald das von der Ukraine eroberte Gebiet in Kursk geräumt war, beweist die Sachlage hinreichend.

Die Wutbürger kennt man in Europa seit den späten 1990-er Jahren. "Dafür haben wir keine Zeit", "Das geht dich nichts an", "Kümmer dich um deine Angelegenheiten", alle Arten von Killer-Sprüche bis zu "Der Krieg ist Vater aller Dinge". Es sind die, die die Klimaveränderung leugnen, die Umweltbewusstsein Spinnerei nennen, die unter Polizeischutz zum Fussballspiel marschieren, die keine Steuern zahlen wollen, die mit heulenden Motoren an Radfahrern vorbeirasen, die die ihnen entzogenen Schusswaffen am Rücksitz durch Kampfhunde ersetzen, die bei Antrittsreden alle ihre Vorgänger als unfähig bezeichnen, die die eigenen Schritte schon loben, bevor sie sie überhaupt gemacht haben.

Die Medien nennen den jetzt regierenden Wutbürger immer wieder unberechenbar. Ich finde ihn nicht unberechenbar, er und die Oligarchen um ihn sind eigentlich leicht berechenbar. Sie sind Anfänger und haben keinerlei politisches oder diplomatisches Gefühl. Sie müssen den Umgang mit den Russen erst erlernen, und sie machen das mit der Arroganz der atomaren Supermacht, die ja offenbar über alle nicht so bedrohlich ausgestatteten Länder bestimmen darf. Auch so ein offenes aber nicht ausgesprochenes Geheimnis, mit dem sich Wutbürger gern umgeben. Die Kollegialität der atomaren Supermächte. Die Kleinen darf man nicht zu groß werden lassen. Der Papa hat das Sagen. Wo kommen wir denn sonst noch hin. Geh, sag Entschuldigung zu Papa Trumputin. Ganz leicht berechenbar, sie behandeln uns einfach alle wie Kinder. Den gefährlichen Streithansel ein wenig loben, dem Schwachen eine Standpauke halten, und dann ist alles wieder gut. Nordamerikanische Revolver-Pädagogik.

"I know Putin, he will not break the ceasefire", sagte der Wutbürger. Die Ukrainer verfügen über jahrzehntelange, ja jahrhundertelange Erfahrung im Umgang mit russischen Weizenräubern, Umsiedlern, Waffenstillstandbrechern und nationalistischen Nationalismusbekämpfern. Die neu angelobten Herrschaften im Weissen Haus sollte den Ukrainern dankbar sein für die Erinnerung daran, dass Rusputin nur Gewalt versteht. Aber nicht sein kann, was nicht sein darf. Nur des Wutbürgers angekündigter Friede darf sein. Oder zumindest ein Waffenstillstand, dem dann ja ein Friede vielleicht folgen könnte, und wenn nicht, was solls, Hauptsache er kann den Medien wieder einen Erfolg verkünden.

Er ist nicht unberechenbar. Alles das, was der Wutbürger teils schon vor seiner ersten Amtszeit angekündigt hat, wird geschehen, inklusive dem Rückzug aus der NATO, da können die Europäer noch so diplomatisch klug agieren. Ich denke, seine Amtszeit wird dafür und noch einiges mehr ausreichen. Die Amerikaner sind sehr weltfremd geworden. Rusputin will hingegen den 3. Weltkrieg provozieren, zusammen mit seiner BRICS-Gemeinschaft. Er will alle Entwicklungsländer auf seine Seite ziehen und dann den Rachefeldzug gegen den Kolonialismus starten (ausgenommen dem von ihm selbst in Nordasien verübten). Erzählungen, dass der gesamte amerikanische Kontinent Opfer des europäischen Imperialismus geworden ist, und dass das nun auf Asien überschwappt, werden dazu dienen, die Massen dafür günstig zu stimmen. Und die (vom Westen niedergeschriebene) Geschichte kann dem leider nicht widersprechen!

Dass sich ausgerechnet die Speerspitze des Kolonialismus, die noch bis 1975 ihre Interessen in Vietnam kriegerisch durchsetzen wollte, nun auf eine "Wir kümmern uns um unsere eigenen Angelegenheiten" Position zurückzieht, sagt sehr viel aus (das ist übrigens ein Mafia-Prinzip). Wenn sie das wahrnehmen würden, was da kommt, würden sie nicht Streit mit allen ihren westlichen Partnern anfangen. So wie das auch der super-reiche super-arrogante Starlink-Berater tut. Mein Gott ist das schön, wenn man so viel Macht im Weltall hat. Für den Durchblick auf dem Planeten Erde reicht es offenbar nicht aus.

Aber Europa tut das Richtige und tritt für ein internationales Rechtsempfinden ein. Es fragt sich nur, ob Frankreich und England ohne die USA die nukleare Abschreckung für Russland glaubwürdig errichten wird können. Und ob Deutschland nicht an seinem Beamten-Apparat scheitern wird in seinen Bemühungen, wieder wehrfähig zu werden. Jetzt bewegt sich sogar etwas hier in dem Land, in dem ich lebe. Das sehr fragwürdig gewordene Wort "Neutralität" taucht immer häufiger in den Medien auf. Österreich, es wir Zeit, dass auch du etwas mehr tust als nur ORF-Meldungen zu diktieren. Die Monarchie wurde 1918 von klugen Leuten abgeschafft, die Interesse an der Zukunft hatten. Jetzt ist es Zeit die Neutralität aufzugeben und der NATO oder ihrer europäischen Folgeorganisation beizutreten. Und bitte nicht noch einmal den hiesigen Wutbürger-Monarchen mit 29% wählen!



Comments

  1. Auch die immer wieder gehörte Medien-Meldung, dass die USA bzw. Trump nicht mehr Weltpolizist sein wollen, stimmt nicht, im Gegenteil, wie sonst ist der Angriff auf den Yemen sonst erklärbar. Aber der Weltpolizist hält sich an keine Regeln mehr und nimmt Bestechungsgeld von allen Seiten. Er will mehr als jemals Weltpolizist sein.

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