Mediengebrabbel
Warum nichts mehr funktioniert? Weil die Kommunikation nicht funktioniert. Weil jedes einzelne Glied der Kette unfähig, selbstvergessen und orientierungslos ist. Von geplanter Obsoleszenz dazu erzogen, sich nur mehr mit der ständigen Erneuerung der zivilisatorischen Errungenschaften zu befassen und geänderte Wirklichkeiten denen zu überlassen, die besser aussehen als andere und sich für fähiger halten, es aber leider selten sind. Ich rede nicht über die USA, sondern über die europäischen Medien. Speziell meine ich die Berichterstattung über das Messerattentat eines 23-jährigen Syrers am Samstag den 15.2.2025 um etwa 16:00 Uhr in Villach im Bereich unterer Hauptplatz und Draubrücke. Mir die wenigen soeben erwähnten Fakten zusammenzusuchen hat mich Stunden gekostet!
Die journalistischen Grundsätze, dass jeder Bericht zumindest über 5 Ws verfügen muss,
die da sind Was Wer Wann Wo Wie
(und auch Warum), sind offenbar in Vergessenheit geraten.
Wie bitte sollen sich die Bürger dieses Landes vor Gefahren schützen,
wenn über die Gefahren nur in gebetsartig sich wiederholenden Sätzen berichtet wird wie
"Sind in Gedanken bei den Opfern",
"Täter mit voller Härte des Gesetzes bestrafen",
"Muss schärfste Konsequenzen haben",
"Stach scheinbar wahllos auf Passanten ein",
"Untersuchungshaft für Attentäter beantragt" (diese Schlagzeile ist ganz besonders dumm!)
Wir wollen wissen, was genau da geschehen ist, und es kann nicht sein, dass das niemand weiß
auf dem belebtesten Platz voller Cafes mitten im Zentrum der 66000 Einwohner Stadt Villach
an einem späten Samstag Nachmittag.
Den Medien scheint es aber wichtiger zu sein, Kerzen, Kränze und weinende Beteiligte zu filmen,
das hat offenbar hohe Einschaltquoten und Klickzahlen und zieht keine Anzeigen nach sich.
Nur nicht die Wirklichkeit zeigen, das würde zu Verrohung der Zuseher führen.
Nicht einmal diejenigen Polizisten hat man interviewed, die die Festnahme tatsächlich durchgeführt haben.
Ein einziges Video berichtete, dass es vorher einen lautstarken Streit junger Männern gegeben haben soll,
die wohl Landsleute des Mörders waren. Oder waren sie es nicht?
Man weiss es nicht, "es handelt sich um laufende Ermittlungen", keine Auskunft.
Wenn die Ermittlungen abgeschlossen sein werden, werden sich die Medien nicht mehr dafür interessieren.
Was hat sich da abgespielt? Mit wem hat der Mörder zuvor gesprochen?
Ist die Streiterei niemandem aufgefallen, worum ist sie gegangen?
Wie viele Minuten lang hat sich der Mörder ungehindert seinen Opfern nähern können?
Wie konnte der Täter mit einem Messer mit einer nur 10 cm langen Klinge
so viele Menschen schwer verletzen und einen Jugendlichen töten,
hatte er Kampfausbildung oder Kriegserfahrung?
Warum hat niemand außer dem mutigen foodora-Fahrer früher eingreifen können?
Wie genau wurde der Täter nach dem Anfahren gänzlich unschädlich gemacht?
Welche Verletzungen genau haben die Opfer erlitten?
Warum gibt es keine Informationen über das Vorleben des Täters,
oder haben sich die Medien gar nicht dafür interessiert?
Sind die staatlichen Organe der Meinung, dass das alles die Bevölkerung nichts angehe?
Irgendwie erinnern mich all diese Berichterstattungen über Autoraser, Schuss- und Messerattentäter auf Weihnachtsmärkten und in Fussgängerzonen an die Berichterstattung des ORF über die Explosion des Kernkraftwerkes Tschernobyl im Jahr 1985. Als damals von skandinavische Umweltmessstellen festgestellt wurde, dass eine radioaktive Luftströmung über Europa zieht, hat der damalige ORF-Intendant Franz Kreuzer verhindert, dass das in die Abendnachrichten kommt, weil er der Meinung war, dass das Massenpanik auslösen würde und alle Autobahnen verstopft sein würden. Was eigentlich nichts anderes war als die Fortsetzung russischen Denkens, dass so etwas überhaupt komplett verschwiegen werden müsse.
Die Medien werden auch als vierte Gewalt bezeichnet, und eine Gewalt sind sie auch ganz bestimmt. Ich glaube wir haben alle noch immer nicht begriffen, wie stark wir von den Medien beeinflusst sind, und wie hilflos wir ohne sie eigentlich sind. Wie sehr wir an den hübschen Gesichtern hängen, die uns aus dem Fernseher anlächeln. Wie stark die schwer bewaffneten Action-Filme aus Hollywood in unsere Psyche dringen und unser Verhalten beeinflussen. Wie man uns erleichtert, indem man den Berichten über Bomben auf die Ukraine gleich Sportberichte anschließt. Das "Opium für das Volk" wurde durch Bierflasche, Zigarettenschachtel und Fussballspiel ersetzt, und der Fernseher ist unser Altar geworden. Mittlerweile gibt es auch den mobilen Altar in Form von Bildschirmtelefonen mit sozialen Messen. Wenn das Mediengebrabbel uns Europäer durch die bevorstehende Auseinandersetzung mit den Supermächten dieser Welt leiten wird, dann ist die Niederlage unvermeidlich. Noch besteht die Möglichkeit zur Verbesserung, aber da schon halb Europa umgefallen ist und Trump & Putin anbetet, sehe ich Düsteres auf uns zukommen.
Man sollte Amokläufe von religiös motivierten Attentaten trennen. Amokläufer gibt es in allen Ländern und Völkern, und Amokläufe sind nicht vorhersehbar. Für einen Amokläufer darf man aber nicht jene Asylwerber verantwortlich machen, die zufällig aus demselben Land kommen, auch wenn dort Gewalt als ganz normal angesehen wird. Womit ich nicht sagen möchte, dass Amokläufer weniger streng bestraft werden sollten als IS-Fundamentalisten, aber das Motiv ist ein völlig anderes, und wenn wir das nicht erkennen, werden unsere Gegenmaßnahmen in eine falsche Richtung gehen und nichts nützen.
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