Oligarchen

Pensionisten sind weltfremd, das stelle ich an mir selbst fest. Keine Lust mehr auf Kontakt zur Aussenwelt. Ärger über Dinge wie Parkwächter, die mit ihren Lastkraftwägen Reifenspuren quer durch die Wiese ziehen, obwohl gleich daneben der Fahrweg verläuft. Solche Dinge hab ich früher einfach hinten aus dem Kopf wieder austreten lassen. Dummköpfe wird es immer geben, und manchmal regieren die sogar einen ganzen Staat. Aber heute will ich nicht über Dummköpfe nachdenken, sondern über Oligarchen, also die, die im Orwell'schen Sinne gleicher sind als "der Rest". Und behalte dabei im Kopf, dass der Parkwächter noch gleicher ist.

Die Vorstellung von Superman ist uralt. Im europäischen 20. Jahrhundert wurde er "Übermensch" genannt. Er war immer sehr beliebt und populär, und seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine nennen die Massenmedien ihn "Oligarch". Der Oligarch ist die Zielvorstellung der Jugend, schnell reich werden und dann nur mehr tun was man will, insbesondere Macht ausüben, so wie Elon Musk. Auf den sogenannten "sozialen" Medien findet nichts anderes statt als ein täglicher Wettbewerb um den über-sten Übermensch. Dort nennt sich das "Influencer".

Ein arabischer Influencer fliegt zu Sylvester 2024 nach Berlin, schiesst eine Rakete waagrecht gezielt auf den gegenüberliegenden Wohnblock, diese durchschlägt dort eine Fensterscheibe und setzt eine Wohnung in Brand. Er lädt ein Video davon auf Instagram hoch. Als er nach Hause fliegen will, wird er am Flughafen gerade noch rechtzeitig verhaftet.

"Da kommt ein Stein, der Stein schlägt ein, er wollte was besonderes sein", hab ich vor Jahrzehnten einmal gedichtet, der Satz fand bislang noch keine Fortsetzung, aber jetzt ist er zumindest einmal niedergeschrieben. Das müsste ein Lied über Oligarchen werden, stelle ich fest. So viel jedenfalls zum oligarchischen Nachwuchs. Zu Sylvester hat es in Deutschland wegen Feuerwerkskörpern übrigens 5 Tote gegeben. Olaf Scholz hatte vorher ein Böller-Verbot abgelehnt.

Wenn der Mensch in Frieden lebt und alles hat, was er zum Leben braucht, beginnt offenbar ein geistiger Verfallsprozess. Er will seine Macht ausweiten und grenzt sich von anderen Menschen ab. Gelingt ihm damit der wirtschaftliche Aufstieg, ist er zum Oligarchen geworden, und er wird dann angesichts seines Reichtums auch in diese gesellschaftlichen Kreise aufgenommen. (Wer verbindet die eigentlich miteinander, Banken, Politiker, ...?)
Das nennt man dann "Karriere gemacht haben". Aktuell bekanntestes Beispiel ist wohl der Tiroler Rene Benko, dessen europaweites Imperium aus purer Korruption aufgebaut war und vor kurzem zusammengebrochen ist. Natürlich ist er nur einem Beispiel gefolgt, das leutselige Leute wie Mensdorff-Pouilly, Ernst Strasser, Udo Proksch und viele andere vorgezeichnet haben:

Beziehungen musst du haben!

"Vitamin B" wird das liebevoll in Österreich genannt. Netzwerke muss man aufbauen. Mensdorff-Pouilly ist allerdings anderer Bauart als Rene Benko, dem Alfons wurde die Oligarchie und die damit verbundene Macht schon in die Wiege gelegt, denn er gehört einem Adelsgeschlecht an. Die soziale Struktur Europas hat sich seit dem Mittelalter nicht so stark verändert wie man annehmen möchte. Der Adel ist der konservative Kern und grösste Geldgeber der Oligarchie. Und jetzt blicke man einmal nach Russland. Nur die Worte sind anders geworden, "Kommunismus" statt "Zarismus", "Arbeit" statt "Robot", "Militärische Spezialoperation" statt "Krieg", aber in den Köpfen ist der Zar (von Caesar, Kaiser) noch immer beherrschend (was sollte er sonst sein). Direkter ausgedrückt: man ist sich sicher, dass es ohne starken Führer nicht gehen wird, wobei man nicht fragen sollte, was genau "nicht gehen wird", Untermenschen würden das ohnehin nicht verstehen. Seit vielen Jahrtausenden lebt der Mensch unter einem Häuptling, Feldherrn, König, Kaiser, Diktator, Gott. Wie soll da der Umstieg auf Demokratie vor sich gehen? Weitere tausende Jahre, damit der Mensch versteht, dass Oligarchen immer Krieg gegeneinander führen werden, weil sie durch Krieg oder Wirtschaft (transformierter Krieg) zu Oligarchen geworden sind, dass aber wegen der enormen Vernichtungskraft heutiger Waffen keine Kriege mehr geführt werden können, weil dabei der Massenselbstmord droht? (Der niemanden verschonen wird, auch nicht die mit Elon Musk zusammen in den Weltraum geflüchteten Oligarchen!)

Der Blick nach Westen stimmt nicht optimistischer. Da findet gerade ein Aufstand des Geldes statt. Donald Trump hat alle Oligarchen und Populisten des Landes um sich versammelt, und statt der Demokratie in der Ukraine beizustehen denkt er an Einmarsch in Kanada, Grönland und Panama. Wer glaubt, dass er das nicht ernst meint, wird bald eines besseren belehrt werden (wir haben ja auch nicht geglaubt, dass er gewählt werden wird). In den USA wurde die britische Monarchie weiterentwickelt zu einer "Über-Demokratie", in der der Präsident fast alle Macht hat. In 10 Tagen wird die unglaublichste Präsidentschaft der amerikanischen Geschichte beginnen, von der ich noch immer glaube, dass sie durch unentdeckten elektronischen Wahlbetrug erreicht wurde. Trump bewundert Putin nicht nur, er wird ihn auch übertrump(f)en wollen.

Als Pensionist lebe ich einstweilen noch in Frieden und habe alles, was ich zum Leben brauche. Der geistige Verfallsprozess hat wohl schon längst begonnen. Ich werde ihn weiterhin aufhalten durch Blog schreiben. Habt ihr übrigens gewusst, dass Ibiza-Strache 1992 am Begräbnis des Rechtsnationalen Norbert Burger teilgenommen hat, weil er damals dessen Tochter Partner war? Ich kann mich noch erinnern an die Wiener Demonstration gegen die Bundespräsidentschaftskandidatur von Norbert Burger im Jahr 1980. Das war das erstemal, dass ich vor einer gewalttätig vorgehenden Polizei davonlaufen musste. Wer glaubt, dass all die neuen europäischen rechtsnationalen Parteien nicht von Oligarchen gesteuert werden und mit Korruption aufräumen werden, dem empfehle ich Gespräche mit dem Parkwächter. Und vergesst nicht, dass Herbert Kickl die Justiz der Politik unterwerfen will. Die "Letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus werde ich mir nun vornehmen zu lesen, Österreich hundert Jahre danach.




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