Europa
Da ist dieser Erdteil, der sich Europa nennt, in dem seit Jahrtausenden Menschen völkerwandern, Kriege führen, Technik, Kultur und Zivilisation entwickelt haben und in den letzten 500 Jahren in Nord- und Südamerika eingewandert sind, insbesondere aus England, Frankreich und Spanien hat man die Menschen aufs Meer getrieben. Ohne den russischen Teil leben in Kerneuropa derzeit etwa 450 Millionen Menschen (in Russland etwa 140 Millionen). Europa ist eines der dicht besiedeltsten Gebiete der Erde, mehr Menschen gibt es nur in Südostasien. Trotz der vielen vollkommen verschiedenen Sprachen und seiner kriegerischen Geschichte hat es sich zur Europäischen Union zusammengeschlossen und spricht angesichts der (noch immer nicht aufgearbeiteten) Greuel der vergangenen Weltkriege von einer Friedensunion für die Zukunft.
Deutschland hat im 20. Jahrhundert zwei Weltkriege begonnen, das war nach der ebenfalls von Europa ausgehenden agressiven Kolonialzeit keine nette Geste. Frankreich und Grossbritannien, die schon viele Kriege gegeneinander geführt haben, besitzen beide Atomwaffen. Indien, Pakistan, Russland, China, Israel und Nordkorea haben sie auch, und Iran wird bald welche von Russland bekommen. Jene Staaten, die solche Waffen besitzen, betrachten sich als "Supermächte", die weniger bewaffnete Staaten durch "das Recht des Stärkeren" leiten und bestimmen können. Dass Russland seinen Nachbarstaat Ukraine am 24. Feber 2022 überfallen hat und seither einen rücksichtlosen Krieg dort führt, und nach drei Jahren Zerstörungswut nicht über Frieden, sondern über die Sicherheit Europas verhandeln will, zeigt deutlich, welch imperialistischer Geist sich in den "Supermächten" entwickelt hat (ganz abgesehen vom amerikanischen Grönland-Wahn).
Imperialismus und Kolonialismus haben das Weltgeschehen der letzten Jahrhunderte bestimmt. Die britischen, spanischen und französischen Schiffe der letzten 600 Jahre haben den ganzen Planet dem europäischen Handel erschlossen. Die meisten damaligen Kolonialstaaten sind heute politisch unabhängig, und der Kolonialismus ist einer gewissen Fairness des Welthandels gewichen. Aber nicht alle wollen diese Unabhängigkeit. Wenn Russland mit Amerika über die Sicherheit Europas verhandeln will, dann zeigt das deutlich, dass Russland Europa als Teil des russischen Imperiums betrachtet. Angesichts der in Kaliningrad stationierten nuklearfähigen Raketen meinen sie diesen Erdteil bereits in ihre Schutzgeld-Erpressungszone eingegliedert zu haben, obwohl hier mehr als dreimal so viele Menschen leben als in ihrem eigenen Land, und es hier gleich zwei Atommächte gibt. Offensichtlich hat man in Russland das Gefühl, die Siegesbeute des Zweiten Weltkrieges nicht erhalten zu haben. Immer noch ist es östlich des Urals ein Entwicklungsland mit primitivsten Lebensbedingungen. Unvergesslich das von Ukrainern abgehörte Telefongespräch zwischen einem russischen Soldaten und seiner Ehefrau, die ihn beauftragt, eine Waschmaschine aus der Ukraine mitzubringen. Der 1918 begonnene russische Brachial-Kommunismus hat vollkommen versagt und ist einem ebenso brutalen Oligarchen-Kapitalismus gewichen, der sich nicht im geringsten um die Bevölkerung kümmert, sondern immer nur neidisch auf "den Westen" blickt. In diesem alkoholischen Land lächelt niemand mehr.
Und wie verhält sich Europa unter dieser Kriegsbedrohung? Die Arbeiterklasse ("Brauch ma wida mol an Hidler") ist wieder erwacht und wandelt durch Wahlen die europäischen Demokratien in Autokratien nach dem Vorbild von Ungarn um (die sich für Nachkommen der asiatischen Hunnen halten, es aber nicht sind). Die Metallindustrie in Deutschland erlebt eine Krise in einer Zeit, in der wie wild Waffen produziert werden müssten. Alle Politiker sprechen plötzlich nur mehr über Geld und dass keines da ist, und das in einer der reichsten Regionen der Welt. Die Gehälter der Manager, die das berechnen, betragen mittlerweile das 82-fache des Normalgehalts (kein Rechtschreibfehler!). Liebes Europa, es wird dir nichts anderes übrig bleiben als aufzurüsten, denn Frieden muss angesichts der ausgerasteten asiatischen Nachbarn geschützt werden. Die laufen ja übrigens schon seit Jahrtausenden nach Westen, und das wird auch nicht aufhören. Jetzt ist nicht die Zeit, über eine Reichensteuer und Bankenabgaben zu diskutieren, die muss man einfach beschließen und einführen, ebenso wie eine geschlossene NATO-Mitgliedschaft und 5% für die Rüstung.
Wenn Europa wirklich Friedensunion sein will, dann darf es Länder wie Ungarn nicht in der Union dulden. Abgesehen von der Bewaffnung (es wird ein Roboterkrieg werden) muss Europa sich um die Menschen kümmern. Sie brauchen Wohnungen. Sie brauchen Bildung. Sie brauchen eine gesunde Umwelt. Das ist alles nicht da, und außer immer wiederkehrenden Reden nehme ich keine Strategien zur Behebung dieser Mängel wahr. Die Bauwirtschaft versinkt in Korruption mit prominenten und in die Politik verstrickten Geldscheffel-Gesellschaften. Das Bildungswesen (Gesamtschule) wird von der konservativen Elite den Massen verweigert, das Lehrpersonal ist schlecht bezahlt und gering qualifiziert. Die Umwelt wird geschützt, indem man keine Windräder aufstellen lässt, weil den Touristen das nicht gefallen könnte. Aber eben genau mit Wohnen, Bildung und Umwelt könnte Europa ein Vorbild für die Welt werden. Den Imperialismus hinter sich lassen und andere Werte als den Bitcoin anbieten. Aber was sehe ich? Ratlosigkeit, man nennt Hitler einen Linken, die NATO nennt man hirntot, die großen Völker Deutschland, Frankreich und Großbritannien versinken in selbstverschuldeten Problemen, begleitet von fast schon wöchentlichen Messer- und Autoraser-Attentaten, niemand weiß, wie neulich in Deutschland die Maul- und Klauenseuche ausbrechen konnte, Neutraliäten will man nicht aufgeben, keiner wagt es gegen die BRICS-Schiffe vorzugehen, die in der Ostsee in aller Stille Unterseekabel durchtrennen, den russischen Cyber-Angriffen, die Krankenhäuser und Behörden lahmlegen, ist man nicht gewachsen - hat das Zukunft?
Ich habe die Welt nicht ändern können, obwohl ich zu der Nachkriegsgeneration gehöre, die die Chance dazu gehabt hätte. Aber ich habe in diesem Europa nur Neid, Missgunst und Arroganz erlebt, Vorurteile und Egoismus überall. Ich bin nie gefragt, immer nur weggedrängt worden. Hier agiert man gegeneinander, nicht miteinander, Kritik ist unerwünscht, Einigkeit in weiter Ferne, und selbstverständlich hat Geld die Moral längst ersetzt. Es tut mir leid nichts besseres über Europa sagen zu können, denn auch hier gibt es natürlich immer wieder Lichtblicke. Meine Generation hat nur jazzig nachgeahmt und Bananen an die Wand geklebt, mein Gott ist diese Avantgarde cool. Auf diesem unkonkreten Weg wird Europa wohl bald von Absurdistan aufgesogen werden. Wenn Demokratie immer wieder der Gewalt erliegt, welche Staatsform brauchen wir dann für die Zukunft? Europa, erobos, das ewig untergehende Abendland ist der richtige Ort, um das herauszufinden.
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