Zecken

In 20 Wanderjahren mit durchschnittlich 5 Zeckenbissen pro Jahr habe ich sicherlich die dreistellig Anzahl bereits erreicht. Insofern hatte ich viel Gelegenheit, diese winzigen außerordentlichen Insekten kennenzulernen, die unter Wasser bis zu 30 Tage überleben, bis zu 10 Jahre ohne Nahrung auskommen und fast keine natürlichen Feinde haben. Nachfolgend meine persönlichen Erfahrungen damit.

Zecken warten 99% ihrer Lebenszeit darauf zubeißen zu können. Meist warten sie auf Gräsern auf ihre Opfer. Höher als 40 cm kommen sie meiner Erfahrung nach nicht, aber sie erklimmen auch junge Nadelbäume. Sie erkennen bluthaltige Wesen am Geruch und wechseln auf diese, wenn sie den Grashalm streifen. Springen wie Flöhe können sie nicht. Sie können sehr groß sein wie auf dem Foto oben, meist sind sie aber viel kleiner, oft nicht mal ein Achtel dieser Größe. Erkennen kann man sie aber immer als dunkle Punkte auf der Haut.

Zecken sind Spinnentiere. Man kann sie trotz ihrer Kleinheit spüren, wenn sie auf der Haut krabbeln. Allerdings muss man sich ihrer bewußt sein, was leider meist nicht der Fall ist. Sie krabbeln oft ziemlich lange, bevor sie eine Stelle gefunden haben, die ihnen zusagt, meist die Kniekehlen, Achselhöhlen, oder zwischen den Beinen. Bemerkt man sie, bevor sie zugebissen haben, kann man sie mit den Fingern "wegzicken", oder mit den Fingerspitzen abnehmen. Dabei muss man allerdings schnell sein, denn sie beißen sofort zu, wenn sie sich bemerkt wissen, und dann sind sie nur mehr schwer wegzukriegen. Wenn erwischt kann man sie töten, indem man sie zwischen den Fingernägeln zerquetscht, ihr Panzer erzeugt dabei einen hörbaren Platzer.

Ein Zeckenbiss fängt gleich nach dem Zubeißen zu jucken an, man muss sich der Gefahr aber bewusst sein um es zu bemerken, denn jucken tut es ja öfter irgendwo. Hat der Zeck gebissen, kann man ihn auf zwei Arten entfernen.

  1. Brutal: mit einer Pinzette packen und herausreißen. Abkratzen mit den Fingernägeln ist ungefähr dasselbe. Dabei bleiben die Zangen der Zecke in der Haut hängen und jucken noch 2 Tage danach.

  2. Sanft: ein wasserdichtes Pflaster drüberkleben, das mit Alkohol getränkt ist. (Achtung, das muss flott gehen, der Alkohol verdampft sehr schnell an der Luft!) Nach mindestens 10 Minuten kann man das Pflaster dann abnehmen und den betrunkenen Zeck mit einer Pinzette vorsichtig herausdrehen. So bleiben die Zangen nicht in der Haut hängen. Statt der Pinzette kann man auch eine "Zeckenkarte" verwenden. Mit Öl oder irgendwelchen Klebstoffen hatte ich keinen Erfolg beim Zecken entfernen. Auch Zeckenzangen habe ich nicht sinnvoll gefunden.

Übel ist ein Zeck, wenn er nach dem Einschlafen zubeißt, denn dann hat er die ganze Nacht Zeit, seine Krankheitserreger zu übertragen.

  • Frühsommer-Meningoenzephalitis. Diese Krankheit hat grippeähnliche Symptome wie Fieber und kann auch in Gehirnhautentzündung enden. Beim Großteil der infizierten Personen bricht die Krankheit aber nicht aus, und auch nur maximal 5% der Zecken tragen diese Erreger. Dagegen kann man sich mit der FSME-Impfung schützen, die allerdings alle 10 Jahre erneuert werden muss.

  • Borreliose, auch genannt "Wanderröte" (das sind ringförmige Rotfärbungen der Haut rund um die Bißstelle). Dagegen gibt es keine Impfung und kein Gegengift, außer massiv Antibiotika im Frühstadium. Wenn unbehandelt behält man diesen Erreger ein Leben lang, und er verkürzt das Leben. Husten, Schnupfen, Muskelschmerzen, Gelenksschmerzen, Fieber, im Spätstadium Arthritis, Nerven- und Organ-Schäden. Das ist also eine wirklich üble Krankheit. 10 bis 20% der Zecken tragen diese Erreger. Angeblich überträgt sich der Borreliose-Virus aber erst nach 12-stündigem Saugvorgang.

Die Borreliose macht Zecken bedenklich. Am Internet empfohlene Abschreckungsmittel wie Kokosöl helfen nicht gegen sie, das hab ich ausprobiert. Was mir geholfen hat war Antibrumm Zeckenspray aus der Apotheke, das in einer gelben Flasche verkauft wird und speziell gegen Zecken konzipiert wurde (nicht gegen alle Insekten wie das in der orangen Flasche). Diesen Spray sprühe ich am Beginn der Wanderung auf die Beine bis zu den Knien hinauf. Nach 4 Stunden muss das wiederholt werden, denn dann hat dieses Öl seine Wirkung verloren, das steht in der Gebrauchsanweisung und das habe ich auch wirklich festgestellt.

Zecken schleppt man natürlich auch mit nach Hause, am Rucksack oder an allem was irgendwann den Boden berührt können sie sich festklammern. In der Wohnung bewegen sie sich etwa 1 Meter pro Stunde vorwärts und können so erst Tage oder sogar Wochen nach der Wanderung irgendwann zubeißen. Darum sollte man sich nach der Wanderung baden oder duschen und auch die Ausrüstung reinigen. Entdeckt man dabei einen Zecken, dann töten, nicht hinunterspülen, denn Wasser überleben sie und kommen eventuell aus dem Abfluss wieder zurück.

Zecken gibt es leider reichlich in den europäischen Wäldern. Sie lieben feuchte und ebene Plätze, aber eigentlich können sie überall sein. Als ich das Kokosöl als Abschreckungsmittel ausprobiert habe, habe ich auf einem feuchten grasigen alten Forstweg den bestrichenen Fuß ohne Schuh und Socke etwa 5 Minuten auf den Boden gesetzt und ruhig gewartet. Danach musste ich 7 Zecken entfernen, von denen gottseidank noch keiner zugebissen hatte.




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