Made in China
Versucht einmal Elektroartikel oder Plastikprodukte in eurem Haushalt zu finden, die nicht die Aufschrift "Made in China" tragen. Wir machen schon lange nicht mehr selbst, wir lassen machen, gewinnbringend benutzen wir autoritäre Billiglohnländer über outsourcing. Die logische Folge ist schlechte Qualität. Schon in meiner Jugend war bekannt, dass chinesische Produkte von schlechter Qualität sind. Ich erinnere mich an Warnungen vor Plastikspielzeug, das mit dem hochgiftigen Element Kadmium rot gefärbt war. Es stellt sich die Frage, wer hier gewonnen hat, die Konsumenten sicher nicht.
Eine weitere logische Folge ist indirekte Entwicklungshilfe in Form von know-how Transfer. China verlangte Ende des 20. Jahrhunderts für alle Importprodukte, dass deren Technologie offengelegt wird. So verschaffte es sich Technologie durch Imitation statt Industriespionage, während Arbeiter in Strafkolonien den Westen durch Billigprodukte bei Laune hielten (siehe soeben verkauftes VW-Werk im von China unterdrückten Xinjiang). Aus heutiger Sicht war es ein Fehler, den wirtschaftlich-technologischen Aufstieg Chinas durch Handel zu ermöglichen. Freien Handel aber haben die Briten in den Opiumkriegen gegen China durchgesetzt. (So beißt die Made in China den Wurm im Westen in den Schwanz:-)
China ist die älteste Kultur des Planeten, und nach Indien das bevölkerungsreichste Land der Erde. Die ältesten Schriften und Überlieferungen der Welt stammen alle aus China, und auch das Schießpulver wurde nicht in Schweden von Alfred Nobel erfunden, sondern in China. Unzählige Kaiser und Kriege und die chinesische Mauer waren da, bis herauf ins 19. Jahrhundert zu den Opiumkriegen der einfallenden Briten, dann die Besetzung durch Japan im 2. Weltkrieg, und als Glanzlicht kam dann noch Mao Zedong, sozusagen das Gift von innen, der nach seiner fatalen Kulturrevolution (in der Schüler ihre Lehrer "legal" ermordet haben) in seinem "Großen Sprung vorwärts" 1959 den Hungertod von bis zu 55 Millionen Chinesen verursacht hat, einfach nur um sich alles Metall des Landes zur Produktion von Maschinen und Waffen zu verschaffen. (Der erfolgreichste Massenmörder der Neuzeit heißt also Ideologie.)
Der aktuelle chinesische Führer Xi Jinping hat am Beginn seiner Rede zum 100. Jahrestag der Gründung der kommunistischen Partei gesagt, dass "die Partei und das Volk hier zusammengekommen sind, um zu feiern". Die Partei ist also nicht das Volk, und das Volk nicht die Partei. So etwas nennt man Diktatur, nicht Demokratie. Im Falle China eine Militärdiktatur, die in Taiwan nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen einmarschieren will, sondern auch weil sich dorthin die von Mao Zedong vertriebenen Kuomintang Chinesen geflüchtet haben. Xi Jinping hat sich nie von Mao abgegrenzt, obwohl er und seine Familie unter den Maoisten gelitten haben.
China ist ebenso wie Russland, Iran, Afghanistan, Pakistan und Indien viel zu groß. All diese Staaten sind nach imperialen Fantasien geformt. Die Zukunft gehört kleinen Staaten. Gemeinsame Sprache, Gesetze, Märkte und Kultur, das macht einen Staat aus. Ob kleine Staaten allerdings moralisch vor den Geschichtsbüchern bestehen können wird sich erst weisen. Im Falle Nordkorea, Venezuela, Kuba, Haiti und vielen anderen hat es nicht funktioniert. Israel, das Teil des Westens ist, kippt gerade um: der vor kurzem entlassene Verteidungsminister Galant hat darauf hingewiesen, dass es nun keine moralische Qualität der israelischen Kriegsführung mehr geben wird. In grossen Ländern aber werden immer wieder autoritäre Imperialisten an die Macht kommen, die sich die Leistungen kleinerer Nachbarvölker durch "militärische Spezialoperationen" aneignen werden.
Die ehemaligen Entwicklungsländer erheben sich und fordern denselben Lebensstandard für sich ein, den die Industrienationen haben. Wenn die ganze Welt so einen Resourcenverbrauch pflegt, dann wird es bald Zeit für uns, mit Elon Musk zum Mars zu fliegen. Alternative wäre, dass die Industrienationen sich besinnen und einschränken. Aber das wird nicht geschehen, siehe Trump mit Klimakrisen- und Corona-Leugnern in der zukünftigen Regierung der USA. Zusammen mit Russland steht China an der Spitze der BRICS-Staaten, die den Westen aus seiner militärischen und wirtschaftlichen Führungsposition verdrängen wollen.
Worum würde es in einer militärischen Auseinandersetzung gehen? Ich nehme an, vor allem um die Beseitigung von Zivilisten, denn der Irrglaube von der drohenden Überbevölkerung des Planeten ist einfach zu weit verbreitet, sogar in den USA. Weiters würde es um die Entwicklung intelligenter Waffen und automatisierte Kriegsführung gehen, um den "Verbrauch" von Soldaten und den Bedarf an Offizieren zu reduzieren, sodaß der Autokrat der Zukunft seinen nächsten Krieg einfach über TV-Werbung organisieren kann. Danach würde es um Rohstoffe gehen, zweifellos weiterhin auch um Erdöl und -gas. Es würde auch um Halbleiter/Mikrochip Herstellungsfähigkeit gehen, denn dass einige dieser Fähigkeiten derzeit nur der Westen hat ist wahrscheinlich der Grund dafür, dass China noch nicht in Taiwan einmarschiert ist. Es würde aber (wie in jedem Krieg) vor allem um die Macht gehen, um die Macht, andere bestimmen und ausbeuten zu können.
Wirtschaft ist transformierter Krieg. Die wirtschaftliche Auseinandersetzung hat China jetzt bereits gewonnen. In Europa geht ein Industriebetrieb nach dem anderen vor dem Billiganbieter in die Knie. Die USA führen Zölle ein um sich zu schützen. Russland umgeht die Sanktionen des Westens recht erfolgreich mit westlichem Schleichhandel. Die Ukraine steht kurz vor dem Fall, Europas Wirtschaft konnte oder wollte sie nicht retten. Was kommt da auf uns zu? Im besten Fall eine Zeit der Besinnung und des Wiederaufbaues. Im schlimmsten Fall wird sich die Beziehung des Kolonialherren zur Kolonie umkehren und die sweatshops werden in Zukunft in Europa stehen.
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