Weiterarbeiten über 65
Es scheint sicher zu sein, dass das Pensionssystem irgendwann nach 2030 zahlungsunfähig sein wird, wenn das Pensionsantrittsalter von derzeit 65 Jahren nicht bald angehoben wird. Die Politik müsste also Menschen dazu veranlassen länger zu arbeiten. Die Menschen werden aber Politiker nicht wählen, die ihnen dieses Pensionsantrittsalter, die Frühpension, die Hacklerregelung oder sonst irgend etwas wegnehmen. In das Pensionssystem sollen "die Anderen" einzahlen, "wir haben bereits unser ganzes Leben lang hart gearbeitet".
Abgesehen von der zweifelhaften Phrase "hart gearbeitet" fragt sich, wer "die Anderen" sein sollen. Die vielen jungen Flüchtlinge, die derzeit Europa überschwemmen? Die kommen hierher wegen des Menschenrechtes auf Freizügigkeit, und sie wollen auch die Menschenrechte auf Sicherheit und Kulturleben genießen. Für Angehörige mancher Völker bedeutet aber Sicherheit das Tragen von Waffen, und unter Kulturleben verstehen sie die Verschleierung und Versklavung von Frauen. Im Vielvölkerstaat Ex-Jugoslawien hat nicht einmal das Zusammenleben von sehr kleinen Völkern funktioniert, weil sich die Serben (auch jetzt noch) als Herrenvolk betrachten. So wie sich die derzeitigen großen Kriege der Autokratien Russland und Israel entwickeln, haben wir den Nationalismus noch lange nicht hinter uns gelassen. Im Gegenteil, ich denke, auch das 21. wird als Jahrhundert des Nationalismus in die Geschichte eingehen. Wir schaffen das nicht!
Also muss man das selber machen, nicht selber machen lassen. Nach der Wahl werden sich vernünftige Politiker hoffentlich trauen, das Pensionsantrittsalter anzuheben. Alternative wäre, dass die Menschen selbst draufkommen, dass länger arbeiten nötig ist. Klingt nicht sehr glaubhaft. Wie steht es da bei mir selbst?
Ich hätte eigentlich kein Problem länger zu arbeiten.
Allerdings hatte ich in Beschäftigung stehend selten den Eindruck,
dass meine Mitarbeit geschätzt oder auch nur erwünscht ist,
mir fehlt also die Motivation.
Die Kollegen hierzulande betrachten einen meist als Konkurrenten,
den "man" loswerden muss, weil er nur behindert.
"Man" will alles für sich alleine, um die eigene Firma gründen zu können,
mit der man den Preis für die eigene Arbeitsstunde selbst festlegen kann.
Alles über einem Alter von 30 Jahren ist ohnehin
Nazi oder mit Nazis verwandt.
Die Vorgesetzten sind da natürlich anderer Ansicht, aber meist froh,
überhaupt Mitarbeiter zu haben, die die Arbeit irgendwie erledigen, und wollen diese halten.
Zusammenarbeit scheint nicht zu unserer Ritterburgen-Kultur zu gehören,
dementsprechend schlecht sind auch die Kommunikationsfähigkeiten ausgebildet.
Zudem werden Geiz, Gier, Eifersucht und Neid als positive Überlebensstrategien angesehen.
Möglicherweise fehlt es einfach an ethischer Bildung in unseren Schulen,
da ist zu viel konservativer Glaube an Religionsunterricht und
zu wenig zeitgemäße Einschätzung der gesellschaftlichen Lage.
Nun gut, wenn ich keine moralische Motivation habe, länger als nur bis zum Pensionsantrittsalter zu arbeiten, vielleicht lockt mich dann eine gute Bezahlung? Wenn ich existenzielle Probleme hätte, z.B. wegen der unfassbaren Wohnungspreise, vielleicht. Aber die hab ich derzeit nicht, auch besitze ich weder eine Zweitwohnung noch ein Ferienhaus noch ein Zweitfahrzeug (was in unserem aufgeblasenen Lebensstil leider Normalität geworden ist). Bei mir würde also nur die Anhebung des Pensionsantrittsalters helfen. Oder brechen wir lieber zusammen?
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