Was tun bei Schlangenbiss
Da ich bei meinen Wanderungen schon mehrmals Kreuzottern begegnet bin, habe ich mir jetzt Gedanken gemacht, was ich wohl machen sollte, wenn mich eine beisst. (Spät aber doch denke ich an Vorsorge:-)
Wie der moderne Internet-Mensch das so macht, habe ich auf Youtube "Was tun bei Schlagenbiss Kreuzotter" eingetippt und mir einige Suchergebnisse angesehen. Keines der Videos hatte eine brauchbare Strategie, was zu tun ist. Die schreiben offenbar alle voneinander ab, und die einheitliche Meinung ist:
- "So schnell wie möglich zum Arzt"
- "Dort beschreiben wie die Schlange ausgesehen hat"
Das nenne ich wirklichkeitsfremd.
Wie sieht die Wirklichkeit aus?
Ich bin auf einem Berg, viele Kilometer von der Zivilisation entfernt,
ich trete auf eine Kreuzotter, die wehrt sich durch einen Biss,
der wohl ins Bein gehen wird, weil das hat sie ja getreten.
Die Schlange verschwindet so schnell wie sie gebissen hat und hinterlässt kein Foto von sich.
Ich kann von hier aus nicht so schnell zu einem Arzt gelangen,
das wäre eine Wanderung von 2 Stunden, und danach noch 1 Stunde Fahrt.
Abgesehen davon, dass ich in dieser Gegend ohnehin weder Ärzte noch Krankenhäuser kenne,
und es vielleicht gerade Sonntag ist (der Standard-Wandertag).
Welche Sofortbehandlung empfehlen nun die klugen Schlangenbiss-Ratgeber? Die Bisswunde nicht aussaugen, nicht aufschneiden, nicht das gebissene Glied abbinden (wie in schlechten alten Filmen vom Helden vorgezeigt). Richtig ist: Desinfektion der Wunde und einen Verband anlegen, danach das Glied nicht bewegen, damit das Gift nicht in den Blutkreislauf gepumpt wird.
Dazu muss noch bemerkt werden, dass angeblich bei den meisten Kreuzottern-Bissen die Schlange gar kein Gift absondert, weil es ein Abwehr-Biss ist und kein Jagd-Biss. Aber das weiß man nicht, wenn man gebissen wird, es kann alles sein. Außerdem braucht es angeblich acht (8!) Bisse einer ausgewachsenen Kreuzotter, um einen Erwachsenen zu töten. Aber auch das weiß man nicht. Übrigens sind Kreuzottern manchmal auch schwarz (Höllenottern), auf dieser Variante erkennt man das Kreuzmuster nur schwer. Ringelnattern sind auch schwarz, deren Biss ist aber ungiftig, die sind viel länger als Kreuzottern und haben einen gelben Ring am Kopfende um den Hals.
Nun gut, ich habe Verbandszeug mit und die Wunde verbunden.
Jetzt sollte ich das gebissene Glied, also das Bein, nicht bewegen,
um nicht das Gift in meinen Blutkreislauf zu pumpen.
Wie soll ich zu medizinischer Hilfe gelangen, wenn ich das Bein nicht bewegen darf?
Geistesblitz: ich hole mir die Hilfe übers smartphone,
das ja sicher seine Batterieladung in der Kälte noch nicht eingebüßt hat,
und mein aktueller Standort ist ja sicherlich auch nicht in einem
Funkloch.
- Für einen Notruf wähle ich in Europa 112 (nicht 911 wie in Amerika).
Ich nehme an, es meldet sich dann irgendwann ein Mensch, und ich kann meine Notlage beschreiben. Wo ich genau bin? Keine Ahnung, irgendwo zwischen X und Y auf dem Berg Z. Aber ich kann meine GPS-Daten übermitteln ... nicht nötig, bei der Notrufnummer 112 geht das angeblich automatisch! (Wenn nicht, kann man GoogleMaps starten, lange auf seinen Standort tippen, dann erscheinen oben im Textfeld die GPS-Koordinaten, die kann man durch Antippen des Textfeldes in einen Dialog holen und dann durch langes Antippen und überstreichen kopieren und an den Gesprächspartner senden. Uff.)
So, nun heisst es warten auf die Hilfe, und nachdenken darüber, wie man diese Rettung bezahlen soll.
Wenn die mit dem Hubschrauber kommen, droht der Bankrott.
Vielleicht kommt aber auch gar niemand, weil an diesem Tag schon zu viele Notfälle passiert sind,
und man wartet umsonst auf die Kälte der Nacht.
Wie man sieht droht nicht nur von der Natur Gefahr, auch der Pakt mit dem Mensch ist ein Risiko.
Vielleicht sollte man den Biss einfach ignorieren, hoffen dass es ein Abwehr-Biss war,
und nach Hause gehen, ohne sich weiter darum zu kümmern.
Übelkeit, Atemnot, Herzprobleme lassen sich vielleicht aushalten.
Na dann los. Ehrlich, ich das halte ich für die beste Strategie.
Bitte sagt mir irgend jemand eine bessere, ohne dabei wirklichkeitsfremd zu werden?
Es gibt "Naturschützer", die Kreuzottern "wieder ansiedeln". Weil sie "Teil des Ökosystems" sind (welch schöne Killer-Phrase), weil sie "Mäuse und Ratten fressen", die "den Menschen die Nahrung streitig machen", und überhaupt weil "sie sonst aussterben würden" (alles wörtlich aus einem Kreuzotter-Video). Ich denke es gibt auch ungiftige Schlangen, die Mäuse und Ratten fressen, (wobei Ratten sich ohnehin meist in der Nähe von Menschen aufhalten, was die Kreuzotter aber meidet). Seid mir nicht böse, aber ich halte nichts von diesem Arche-Noah Denken. Auch der Mensch hat ein Recht auf seinen Lebensraum und die notwendige Sicherheit darin. Und die Kreuzotter stirbt mit Sicherheit nicht aus, die hat bis jetzt überlebt, ist in ganz Europa verbreitet, und in den Bergen findet man genug davon, dort frisst sie die Jungen der Murmeltiere. Muss man nicht "wieder ansiedeln".
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