Tee zubereiten
Kaffee ist eine gesellschaftlich akzeptierte Droge wie Alkohol. Dauerkonsum von Kaffee kann Angstzustände, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Depression, Erschöpfung und Nierenschäden bewirken. Tee ist wesentlich bekömmlicher als Kaffee, wenn man ihn richtig verwendet. Kaffee ist viel teurer, und die Zubereitung viel komplizierter. Mit 100 Gramm Tee kommt man sehr lange aus, er hält sich ewig und die Zubereitung ist sehr einfach. Je älter man wird, desto eher sollte man Kaffee durch Tee ersetzen (und übrigens auch aufhören Alkohol zu trinken und Tabak zu rauchen!). Hier kommt meine Tee-Philosophie, über 40 Jahre hinweg entwickelt. Sie bezieht sich auf Teein-haltigen "schwarzen" Tee.
Man kaufe sich in einem Teegeschäft eine kleine Probierpackung offenen Tees, nicht im Beutel, und keinen starken. Ich habe die Erfahrung gemacht, das kleingranulare Teeblätter starken Tee bedeuten, und langfaserige größere Teeblätter meist nicht so stark sind, aber dafür sehr aromatisch. Bergamott-Öl ("Earl Grey") und andere Aromastoffe sollte man vermeiden, gegen Jasminblüten oder ähnliches ist aber nichts einzuwenden. Ceylon und China Tees sind Klassiker. Ich trinke derzeit Keemun. Grüner Tee ist um einiges stärker als schwarzer; Mate-Tee ist der stärkste, den ich kenne. Teeblätter sollten trocken und verschlossen aufbewahrt werden, so behält er seine Qualität bis zur letzten Tasse.
Man braucht 2 Porzellan-Gefäße mit Henkelgriffen (2 Heferln), die gleich groß sein sollten, und von denen eines der Menge Flüssigkeit entsprechen sollte, die man morgens zu sich nehmen will. Meine fassen jeweils 1/2 Liter.
Ansonst braucht noch einen Topf, der zu nichts anderem als zum Kochen des Teewassers dienen sollte, egal ob emailliert oder Metall, sauber muss er sein, und sauber muss man ihn halten. Mittels Essig lässt sich die regelmäßig auftretende Kalkablagerung gut beseitigen. Man braucht keine Teefilter, Teebeutel, Teesiebe, Kannen, Teewärmer, Teekerzen, das ist alles überflüssig und beeinträchtigt nur die Reinheit und das Aroma des Tees. Der Wert des Teetrinkens liegt in der Einfachheit.
Morgens den Wasserhahn aufdrehen und in den Topf ein bisschen mehr Wasser einfüllen als im Heferl dann sein soll. Das Wasser aufkochen. Stark chloriertes Wasser (z.B. in Italien) sollte man vor dem Aufgießen 1 Minute offen kochen lassen, damit das Chlor entweicht. Inzwischen ein Heferl nehmen und so viele Teeblätter hineingeben, wie man mit den Fingerspitzen von Daumen und Zeigefinger auf einmal fassen kann, das reicht vollkommen für 1/2 Liter und einen nüchternen Magen. (In Teebeuteln ist meist die 10-fache Menge drin, meist kleingranular und mit hohem Teeingehalt.)
Das kochende Wasser in das vorbereitete Heferl mit den Teeblättern gießen. Zugedeckt mindestens 3 Minuten oder auch beliebig lange ziehen lassen (deckt man nicht zu, sinken möglicherweise nicht alle Teeblätter ab). Dass kurz gezogener Tee anregend und lang gezogener beruhigend ist, ist ein unwahres Studenten-Märchen, Tee ist immer anregend. Kurz gezogene Teeblätter kann man übrigens wiederverwenden und für ein zweites Heferl mittags weglegen, die wirken auch ein zweitesmal, wenngleich natürlich etwas weniger.
Jetzt kommt die Hauptsache. Sind alle Teeblätter im Heferl nach unten gesunken, gießt man den Tee langsam und vorsichtig in das zweite leere Heferl ab, wobei die Teeblätter im ersten Heferl am Boden verbleiben sollten. Die so gesammelten Teeblätter befördert man in den Bio-Mist und das Heferl spült man mit Wasser aus. Man wartet nun etwa 10 Sekunden, bis sich die restlichen staubähnlichen Teepartikel im zweiten Heferl unten abgesetzt haben. Dann gießt man den Tee vorsichtig wieder zurück in das erste Heferl, wobei auch die Partikel im zweiten Heferl wieder auf dessen Boden verbleiben sollten. Dieses auch ausspülen und zum Trocknen wegstellen. Die feinen Partikel sollte man entfernen, weil diese auch Teein enthalten und der Tee davon nachträglich stärker und bitterer wird, auch trinkt man das ja mit und das kann zu Magenverstimmungen führen. Auf diese Art kann man jeden offenen Tee zubereiten, also auch Kräutertees!
Den fertigen Tee sollte man langsam und schluckweise trinken. So richtig anregend ist er, wenn er nicht mehr allzu heiß aber noch nicht lauwarm ist. Am Abend sollte man keinen Tee mehr trinken, sonst schläft man schlecht. Ich trinke nur morgens Tee, mittags nicht mehr (allerdings trinke ich abends Kräutertees, aber das ist ein anderes Blog).


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