Der Kopf im Sand

Ich versuche eine Übersetzung des Wienerischen ins Hochdeutsche:

"Es pfeifen die Granaten, es donnert und kracht,
sie hocken in der Grube die ganze Nacht,
sie schießen auf alles was sich rührt,
sie schießen bis die Krache glüht,
der Mutter ihre Buben fallen um als wie die Rüben, ..." -

Dies ist die vierte Strophe des Liedes "Köpferl im Sand" aus dem Jahr 1971 von Arik Brauer, das sich um die Ignoranz der Zivilgesellschaft gegenüber Armut, Unterdrückung und Krieg dreht. Es ist wieder aktuell geworden mit dem Krieg, den Russland am 24.2.2022 gegen die Ukraine vollkommen grundlos begonnen hat. Ich weiß nicht, wo er das Lied geschrieben hat, aber Arik Brauer ist immerhin in Österreich geboren und hat hier auch gelebt, und er hat die österreichische Mentalität in diesem Lied sehr treffend abgebildet. Zur Erklärung: dem Vogel Strauß wird nachgesagt, dass er den Kopf in den Sand steckt, wenn Gefahr droht. Das stimmt allerdings keineswegs, die Menschen projizieren mit solchen Redensarten ihr eigenes Fehlverhalten auf Wesen, die sich nicht wehren können.

→ Wusste man, dass Österreich im Jahr 2024 noch immer Russland als Sicherheitspartner in seiner Sicherheitsstrategie angibt?

→ Wusste man, dass die österreichische Neutralität ohnehin schon durch die Mitgliedschaft in der EU sehr in Frage steht, sie aber von der Politik, den Medien und den Stammtischen gehütet wird wie eine "heilige Kuh"? Die einzige politische Partei, die es seit 2022 gewagt hat, die Neutralität in Frage zu stellen, waren die NEOs (Neo-Liberale). Die Konservativen haben in den Geschichtsbüchern nachgesehen, wie sich Österreich 1854 im Krimkrieg verhalten hat, und sich gedacht, wir machen es genau so wieder, mit dem Kopf im Sand. Andere bangen um ihre Finanzierung aus Russland, oder stecken den Kopf in vollkommen veraltete Arbeiterklassen-Sandbänke.

→ Wusste man, dass Österreich noch immer den größten Teil seiner fossilen Energien aus Russland bezieht? Und dass Österreichs Bundeskanzler den russischen Diktator kurz nach Ausbruch des Krieges besucht hat und danach berichtet hat, er habe sich gewundert, dass ihn der Zar nach der Zufriedenheit mit den Gaslieferungen gefragt hat? (Was sonst hätte ihn an Österreich interessieren sollen?)

→ Wusste man, dass österreichische Betriebe wie die Raiffeisenbank oder die ÖMV sich einfach nicht trennen können von dem Terrorstaat und so die internationalen Sanktionen unterlaufen, die ukrainische Leben retten könnten? Wo ist der Unterschied zu Ungarn und Serbien?

"Trittbrettfahrer" wurde man auch schon genannt. Das sind die, die sich außen am Fahrzeug festhalten und sich so um den Fahrpreis drücken, der das öffentliche Fahrzeug erst möglich macht. Erstaunlich in dem Zusammehang ist, dass die Inflation einfach nicht nachlässt in Österreich, obwohl es keinen Fahrpreis zahlt. Oder vielleicht gerade deswegen?

Die nicht haltbare Neutralität aufgeben. Der NATO beitreten, so wie alle in Europa. Sind das nicht realistische vernünftige Ziele? Nicht glauben, dass man eine Insel der Seligen ist, nur weil man von NATO-Staaten umgeben ist (von denen die Slowakei und Ungarn im Beistandsfalle ziemlich sicher umfallen werden).




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